Interview mit David Page - Deshalb läuft es der US-Börse trotz Handelsstreit rund

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat eine neue Stufe erreicht. Dennoch erklimmt die US-Börse neue Rekordstände. Weshalb das so ist, erklärt Ökonom David Page von Axa Investment Managers im cash-Interview.
24.09.2018 15:44
Von Pascal Züger, London
David Page ist Ökonom bei Axa Investment Managers in London.
Bild: cash

Selbst für Börsen-Profis ist es schwierig geworden, bei den Entwicklungen im USA-China-Handelsdisput den Überblick zu bewahren. Fast schon täglich werden neue Sanktionen implementiert oder zumindest angedroht. Der Konflikt droht völlig aus dem Ruder zu geraten, das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping ist zerrüttet.

Am Montag wurde eine neue Eskalationsstufe erreicht: Zu den schon in Kraft getreteten Abgaben auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar werden nun Zölle auf weitere chinesische Güter im Wert von 200 Milliarden Dollar erhoben. Diese werden mit Gebühren von 10 Prozent belegt. China hat umgehend Vergeltung angekündigt.

Unter diesen Vorzeichen sollten die Finanzmärkte eigentlich höchst verunsichert sein. Das stimmt zumindest für die chinesischen Aktienmärkte. Diese haben in diesem Jahr rund 20 Prozent nachgegeben.  Die US-Aktienindizes Dow Jones sowie S&P 500 erreichten in diesen Tagen dagegen neue Rekordhochs. Der Dow Jones etwa hat alleine in den letzten drei Monaten 10 Prozent zulegen können.

Die US-Wirtschaft läuft auf Hochtouren

Wieso zeigt der Aktienmarkt keine Angst vor dem drohenden Handelskrieg? "Vor einem Monat hiess es noch, dass die China-Exporte mit Zöllen von 25 Prozent bestraft werden, jetzt sind es 10 Prozent", sagt David Page, Senior Economist und US-Experte von Axa Investment Managers in London, im cash-Interview. Daher sei im Markt etwas Erleichterung zu spüren, verbunden mit der Hoffnung, dass es im Handelsstreit einen Verhandlungsspielraum gebe. 

Als eigentlichen Kurstreiber sieht Page aber derzeit die guten ökonomischen Fundamentaldaten in den USA. Im zweiten Quartal 2018 ist die US-Wirtschaft auf das Jahr hochgerechnet um ganze 4,2 Prozent gewachsen - so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Auch für das laufende Quartal dürfte die USA weiter überdurchschnittlich wachsen und den Firmen gute Unternehmensgewinne bescheren.

Der Handelsstreit selber soll beim US-Wachstum kaum Spuren hinterlassen: "Es hat einen Einfluss, aber dieser ist nicht massiv", so Ökonom Page. Gemäss seinen Berechnungen würden die Strafzölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar den USA in den Jahren 2019 sowie 2020 je 0,1 Prozent Wachstum kosten. Miteinberechnet ist dabei eine erwartete Erhöhung der Strafzölle von 10 auf 25 Prozent per Anfang 2019.

Midterm-Wahlen in den USA als Unsicherheitsfaktor

Ökonomisch mag es die USA kaum berühren, aber für Verunsicherung an den Aktienmärkten kann der Handelskrieg allemal noch sorgen: "Insbesondere wenn wir auf die Midterm-Wahl zugehen, steigen die Ängste einer weiteren Eskalation", meint Page.

Am 6. November 2018 wird  in den USA in den Zwischenwahlen (engl. "midterm elections") das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senates neu gewählt. Derzeit besitzen die Republikaner von Donald Trump in beiden Kammern eine Mehrheit. Das könnte sich aber ändern: Gemäss verschiedenen Umfragen werden die Demokraten im Repräsentantenhaus eine Mehrheit erlangen, während der Senat in den Händen der Republikaner bleiben wird.

Die Folge dürfte eine Blockade in der US-Regierung sein: "Die Pläne der Republikaner für weitere Steuerkürzungen würden dann wohl im Sande verlaufen, so auch die Pläne, Obamacare runterzufahren", schätzt Page die Folgen dieses Szenarios ein. Das habe zwar keine grossen Auswirkungen auf die Wirtschaft, könne aber den Dollar leicht abschwächen.

Schlussendlich sieht Page bei einem (Stand jetzt eher unwahrscheinlichen) Sieg der Republikaner mehr Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte. Dies auch, weil Trump bei einer Mehrheit der Demokraten im Kongress Gesetze nicht mehr durchbringen könne und dann vermehrt seine  Handelspolitik mittels dem umstrittenen Werkzeug der Dekrete, den sogenannten Executive Orders, umsetzen würde - womit er keine Zustimmung des Kongresses bräuchte.

Im cash-Video-Interview sagt der Brite David Page auch, welche Form des Brexit er Ende März 2019 erwartet.

Das Video-Interview entstand im Rahmen einer Pressereise, die von Axa Investment Managers organisiert wurde.