Investitionen in Digitalisierung stellt kleinere MEM-Unternehmen vor Probleme

Investitionen in die Digitalisierung stellen viele kleine Schweizer Zulieferer der Maschinen- Elektro- und Metallindustrie (MEM) vor Probleme. Am Branchentreffen in Luzern war die KMU-Finanzierung denn auch eines der heissen Eisen.
14.09.2017 20:45

Die Schweiz ist ein KMU-Land. 99,5 Prozent der Firmen in der verarbeitenden Industrie gehören zur Kategorie der kleinen und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Angestellten. Es sind jene Firmen, die vom Frankenschock besonders hart getroffen wurden, weil es für sie - anders als für grössere Unternehmen - schwieriger ist, die Produktion ins Ausland auszulagern.

Die Digitalisiserung ist für sie Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist die Automatisierung eine Chance, um die Produktionskosten zu drücken und im internationalen Vergleich wieder konkurrenzfähig zu werden. Andererseits erfordert eben diese Digitalisierung hohe Investitionen - und genau das ist für viele Kleine der Branche ein Problem.

Laut einer Umfrage des KMU-Verbands Swissmechanic bei seinen Mitgliederfirmen fehlen rund einem Drittel der Unternehmen die finanziellen Mittel um in die Digitalisierung zu investieren. Ebenfalls knapp ein Drittel bewertete die aktuellen Konditionen der Geschäftsbanken für Firmenkredite als schlecht oder sehr schlecht.

Swissmechanic vertritt rund 1'400 Mitgliederfirmen in der MEM-Industrie, viele davon sind Zulieferfirmen. Insgesamt beschäftigen sie 70'000 Angestellte

PFISTER NIMMT POLITIK IN PFLICHT

"Die fehlenden finanziellen Ressourcen gehören für das Gewerbe zu den grössten Herausforderungen auf dem Weg zur Digitalisierung", sagte am Donnerstag CVP-Präsident Gerhard Pfister, neben FDP-Ständerat Ruedi Noser prominentester Redner am Business Day von Swissmechanic in Luzern.

Die KMU seien von der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken am stärksten betroffen. Diese würden Kredite mehrheitlich für Unternehmen im Dienstleistungssektor und für Startups im öffentlichen Sektor vergeben. "Wir kriegen das Geld nicht dahin, wo es benötigt wird - zu den KMU", sagte Pfister.

Dabei gebe es bei den Pensionskassen und Versicherungen einen Anlagenotstand. Pfister brachte in diesem Zusammenhang die Idee eines KMU-Fonds aufs Tapet, ein Instrument, das in vielen europäischen Ländern bereits etabliert sei. "Wir müssen die etablierten Schweizer KMU sehr viel stärker fördern".

Auch von den vier Bürgschaftsgenossenschaften in der Schweiz erhofft sich der CVP-Präsident einiges. Im April hatte das Parlament beschlossen, die Bürgschaftslimite von 500'000 auf eine Million Franken heraufzusetzen. Bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung dürfte aber noch einige Zeit verstreichen. "Es ist ein Weg, der nur mittelfristig etwas hilft", räumte Pfister denn auch ein.

NOSER FORDERT EIGENVERANTWORTUNG

Kein Gehör für Pfisters politische Vorschläge zeigte FDP-Ständerat und Unternehmer Ruedi Noser. "Wir haben nur eins getan in den letzten zehn Jahren - den Banken das Kreditwesen verteuert." Es sei idiotisch, wenn man jene, die Risiken eingingen, aus dem Geschäft dränge. "Wir belegen die Banken mit immer höheren Eigenmittelanforderungen, gleichzeitig wollen wir KMU-Fonds oder Bürgschaftsgesellschaften fördern", kritisierte Noser.

Der Unternehmer hielt auch nicht mit Kritik an die eigenen Reihen zurück und forderte die Anwesenden im Saal zu mehr Eigenverantwortung auf. "Eine Firma sind wir erst dann, wenn wir mehrere Kunden haben, kein Kunde einen grösseren Umsatzanteil als 20 Prozent hat und mindestens einer von ihnen aus dem Ausland kommt", sagte Noser provokativ. "Wenn wir nur einen Kunden haben sind wir keine Firma, sondern eine verlängerte Werkbank"

Die Unternehmer müssten sich fragen, ob ihre Firma selbst risikofähig sei. "Ein Risiko, das ich selbst nicht bereit bin zu tragen, trägt auch kein Dritter", sagte Noser mit Blick auf die Kreditvergabepolitik der Banken. Man müsse bereit sein, sich auch persönlich zu verschulden und Geld in sein Unternehmen einzubringen.

Erst wenn die Hausaufgaben gemacht seien, soll der Gang zur Bank gemacht werden. Es sei wichtig der Bank in ihrer Sprache erklären zu können, was genau die Firma tue. "Dazu brauche ich in Gottes Namen einen Businessplan". Diesen zu erstellen, falle dem einen oder anderen Unternehmen aber nach wie vor schwer, kritisierte Noser.

(AWP)