Italien: Alle Blicke richten sich jetzt auf Staatspräsident Mattarella

ROM (awp international) - Im aufgeregten italienischen Politikbetrieb ist Sergio Mattarella (75) so etwas wie der ruhende Pol. Der weisshaarige Herr im Quirinalspapalast versteht sich als eine Art stiller Schiedsrichter. Er ist ein Mann der leisen Worte, aber er ist da, wenn er gebraucht wird. Nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien im Sommer war der Staatspräsident nahe bei den Überlebenden in Amatrice, Accumoli und Ascoli, umarmte sie, hörte ihnen zu und spendete Trost. Vom Präsidenten sei er zum "Grossvater Italiens" geworden, pries die Presse den Sizilianer, den man seiner Schweigsamkeit wegen oft auch "Il muto" (den Stummen) genannt hat.
05.12.2016 06:34

Nach der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Matteo Renzi im Zusammenhang mit dem "No" der Italiener zur Verfassungsreform ist es an Mattarella, einen Nachfolger zu ernennen, Neuwahlen anzusetzen oder Renzi zum Weitermachen zu verpflichten. Renzi hatte im Januar 2015 die Strippen gezogen, als der damalige Verfassungsrichter zum Nachfolger des greisen Giorgio Napolitano gewählt wurde. Vorausgegangen war eine lange politische Laufbahn, in der es der promovierte Jurist vom Abgeordneten für West-Sizilien bis zum Bildungs- und zum Verteidigungsminister brachte. Dem Weg in die Politik war eine Familientragödie vorangegangen: 1980 ermordete die Mafia in Palermo Mattarellas älteren Bruder Piersanti, den damaligen Regionalpräsidenten Siziliens. Er starb in seinen Armen./blu/DP/zb

(AWP)