Italien-Referendum erlaubt Schnäppchenjagd für Bond-Fondsmanager

Italiens Volksabstimmung über eine Verfassungsreform schafft schon jetzt Kaufgelegenheiten für einige Anleiheinvestoren.
23.10.2016 16:45
Premierminister Matteo Renzi setzt mit dem Referendum einiges aufs Spiel.
Premierminister Matteo Renzi setzt mit dem Referendum einiges aufs Spiel.
Bild: Bloomberg

Die Staatsanleihen des Landes sind im Vorfeld des für den 4. Dezember angesetzten Referendums im Vergleich zu spanischen Papieren billiger geworden. Stimmen die Italiener mit "Nein", droht das die Regierung zu destabilisieren. Die Risikoprämie 10-jähriger Italien-Bonds gegenüber spanischen Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit hat in diesem Monat den höchsten Wert seit fast zwei Jahren erreicht.

Für Pioneer Investments macht diese vergleichsweise schlechtere Entwicklung Italien-Bonds attraktiv - insbesondere, weil die Risiken durch das Stimulusprogramm der Europäischen Zentralbank begrenzt werden. Das stellt nach Ansicht von Cosimo Marasciulo, Leiter Staatsanleihen bei Pioneer in Dublin, ein "Sicherheitsnetz" dar. Er kaufte einige der ersten 50-jährigen Bonds des Landes, die in diesem Monat an den Markt kamen.

"Im Fall von Italien muss man die fundamentale Lage von der Marktreaktion trennen", sagt Marasciulo. Er ist Co-Manager des Euro Curve 10+Year Fonds, der für dieses Jahr auf einen Ertrag von elf Prozent kommt und damit 94 Prozent der Wettbewerber geschlagen hat. "Wenn ein 'Nein' gewinnt, dann steht die EZB parat."

Euro-Schutzschild

Das ist zu einem üblichen Refrain an den Bondmärkten geworden. Das Programm der EZB zur quantitativen geldpolitischen Lockerung im Volumen von 1,7 Billionen Euro hat die Staatsanleihen des Euroraums seit 2015 vor politische Turbulenzen in Spanien, Portugal und Griechenland abgeschirmt. Gleichwohl dürfte der jüngste Anstieg der italienischen Renditen ein Umschwenken untermauern. Einige Investoren beachten die divergierenden politischen Risiken, insbesondere seit in diesem Monat dazu Spekulationen aufkamen, wann die EZB mit einer schrittweisen Verringerung (Tapering) ihrer Anreize beginnen wird.    

Ministerpräsident Matteo Renzi hat wiederholt versprochen, zurückzutreten, sollte das Referendum abgelehnt werden, lehnte aber in den jüngsten Interviews ab, darauf einzugehen. Die Reform würde die Macht des Senats beschränken - darunter, die Fähigkeit, mit einer Vertrauensabstimmung eine Regierung zu Fall zu bringen - mit dem Ziel, die Legislative zu straffen und Regierungen stabiler zu machen.

Die meisten Umfragen in diesem Monat signalisieren eine Ablehnung des Referendums, allerdings mit einem knappen Vorsprung. Zudem ist rund ein Drittel der Wähler noch unentschieden.

Schrumpfende Spreads

Der Renditeaufschlag 10-jähriger Italien-Bonds gegenüber spanische Staatspapieren gleicher Laufzeit lag am Freitag bei 0,25 Prozentpunkten; am 10. Oktober waren es 0,37 Prozentpunkte - der höchste Spread seit Oktober 2014. Das ist immer noch eine reizvolle Italien-Rendite für Investoren, die davon ausgehen, dass der Stress rund um das Referendum an seine Grenzen gestossen ist, und das sich die Rendite wieder dahin bewegen wird, wo sie für den Grossteil der letzte fünf Jahre war - niedriger als die spanische.  

Das Auffangnetz der EZB, zusammen mit den Fortschritten der italienischen Regierung bei der Verringerung des Haushaltsdefizits machen die Staatsanleihen des Landes auch interessant für die Asset-Management-Sparte von JPMorgan.

"Politische Risiken kommen und gehen, blickt man aber letztlich auf die Fundamentaldaten, dann sieht Italien gut aus", sagt Nick Gartside, als Chief Investment Officer verantwortlich für die Anlagen in Festverzinsliche bei der JPMorgan-Sparte in London. "Auch wenn das Wachstum etwas langsam ist - das Haushaltsdefizit ist im europäischen Kontext ziemlich niedrig." Garthside gefallen sowohl italienische als auch spanische Staatspapiere, und "insbesondere Bonds mit längerer Laufzeit".

Auch Pimco wagt Prognose

Pimco, der Vermögensverwalter mit dem grössten aktiv investierten Bond-Fonds, sieht Kaufgelegenheiten rund um das Referendum. Ein Sieg der "Nein"-Sager würde eine schlechtere Entwicklung für europäische Bonds mit höherem Risiko bringen, wie Nicola Mai, Portfoliomanager und Analyst für Staatsanleihen, in einer Einschätzung vom 11. Oktober schrieb.

Die Rendite 10-jähriger Italien-Bonds lag am Montagvormittag bei 1,43 Prozent - das höchste Niveau seit Juni. Spanische 10-jährige Staatspapiere rentierten mit 1,15 Prozent. "Dies könnte Gelegenheiten bringen, Risiko auf attraktiverem Niveau zuzukaufen, insbesondere bei den Staatsanleihen der Euro-Peripherie, die durch die quantitative Lockerung der EZB verankert bleiben", schrieb sie.

(Bloomberg)