IWF malt vor G20-Gipfel düsteres Bild der Weltwirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt unmittelbar vor einem G20-Gipfel im chinesischen Hangzhou vor einem Schwächeanfall der Weltwirtschaft und mahnt zu Reformen.
03.09.2016 15:05
Am 4. und 5. September findet in Hangzhou, China, ein Treffen der G20-Staaten statt.
Am 4. und 5. September findet in Hangzhou, China, ein Treffen der G20-Staaten statt.
Bild: cash

"Die jüngsten Daten zeigen gedämpfte Aktivitäten, weniger Wachstum im Handel und eine sehr niedrige Teuerung, was auf ein noch schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft dieses Jahr hindeutet", schrieb der Fonds in einem am Donnerstag veröffentlichen Bericht für die G20-Staats- und Regierungschefs. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Fonds werde seine erst im Juli wegen des britischen Brexit-Votums reduzierte Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum wohl noch weiter heruntersetzen.

Das Ziel des G20-Gipfels von Brisbane 2014, binnen fünf Jahren die Weltwirtschaft auf einen zwei Prozent höheren Wachstumspfad zu steuern, sei ohne zusätzliche Massnahmen in vielen Ländern ausser Reichweite, schrieben die IWF-Experten. Europa sei wegen der Unsicherheiten nach dem Brexit-Votum besonders belastet. "Auch auf längere Sicht bleiben die Aussichten enttäuschend", warnte der Währungsfonds.

"Man kann argumentieren, dass das Brexit-Votum nicht die massive Krise ausgelöst hat, die wir befürchtet haben", sagte Lagarde. Auch der Umbau der chinesischen Wirtschaft verlaufe halbwegs gut und die Rohstoffpreise seien ein wenig gestiegen. "Das ist die Oberfläche", warnte sie jedoch: "Wenn man sich die wirtschaftlichen Aussichten, das Wachstumspotenzial und die Produktivität anschaut, sehen wir keine gute Signale." Aus dem Grund werde der IWF "wahrscheinlich seinen Wachstumsausblick für 2016 senken". Bisher erwartet der IWF für das weltweite BIP in diesem Jahr einen Zuwachs von 3,1 Prozent und 3,4 Prozent 2017. Dies sind jeweils ein Zehntelprozentpunkt weniger als vor dem Brexit-Votum der Briten am 23. Juli. Lagarde sagte, wie schwer die Brexit-Krise ausfalle, werde wohl erst 2017 deutlich werden.

IWF: Staaten müssen Bürgern Reformen besser vermitteln

Angesichts der vielfältigen Wachstumsgefahren drängt der IWF die grossen Schwellen- und Industrieländer der G20 zu einer "energischen, umfassenden und gut-kommunizierten Politik". Teil dessen müsse eine engere Kooperation auf weltweiter Basis sein. Dabei müssten die Regierungen ihre Politik besser vermitteln. Das sei insbesondere bei den Bürgern wichtig, auf die Veränderungen zukämen. Der Fonds sieht zudem wachsende Ängste gegenüber Globalisierung und Reformen. Dies sei auch der sozialen Ungleichheit in vielen Ländern geschuldet. Dies könnte in eine negative Abwärtsspirale zum Schaden des freien Welthandels und von Strukturreformen führen.

Dabei seien gerade Strukturreformen ein entscheidendes Mittel, um das weltwirtschaftliche Wachstum zu stärken. In Ländern mit immer noch zu schwacher Nachfrage sollte die Geld- und die Finanzpolitik stärker eingreifen, um das Wachstum zu fördern. In Regionen, in denen die Geldpolitik ihre Spielräume weitgehend ausgeschöpft habe, liege es an der Finanzpolitik, aktiver zu werden. Zudem sollten Länder, die den Spielraum dafür hätten, über zusätzliche öffentliche Investitionen und mit steuerlichen Impulsen für eine stärkere Belebung der Volkswirtschaften sorgen. 

(Reuters)