IWF rät SNB zur Verschärfung der Negativzinspolitik

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Regierung gute Noten in der Wirtschaftspolitik. Allerdings sieht er noch Verbesserungsbedarf.
26.09.2016 16:45
Der IWF rät zu höheren Negativzinsen in der Schweiz.
Der IWF rät zu höheren Negativzinsen in der Schweiz.
Bild: iNg

So soll die SNB angesichts ihrer anschwellenden Devisenberge stärker auf Negativzinsen setzen. Die Erholung der Schweizer Wirtschaft nach der starken Aufwertung des Frankens gewinnt laut dem IWF an Fahrt. Wie schon diverse Konjunkturforscher vor ihm hebt der Währungsfonds die Wachstumsprognose für dieses Jahr an, auf 1,5% von 1,3%. Mittelfristig erwartet der IWF ein Wachstum von 1,75%.

Die Widerstandskraft der Wirtschaft sei der hohen Flexibilität der Unternehmen und des Arbeitsmarktes zu verdanken, sagte IWF-Ökonomin Rachel van Elkan am Montag vor den Medien in Bern. Zudem stellte sie auch der SNB ein gutes Zeugnis aus: Die expansive Geldpolitik habe den Franken abgeschwächt und der Abwärtsdruck auf die Preise habe abgenommen.

Negativzinsen forcieren

Die Strategie der SNB mit Negativzinsen und punktuellen Interventionen in Form von Devisenkäufen habe sich bewährt, sagte van Elkan weiter. Allerdings rät sie der SNB, die Negativzinsen stärker zu forcieren.

Mit einem Strafzins von minus 0,75% für Giroguthaben der Banken bei der Notenbank sind die Sätze in der Schweiz so tief wie nirgends sonst in den grösseren Volkswirtschaften. Die Banken und die Finanzmärkte seien mit der Negativzinspolitik bisher gut zurecht gekommen, sagte die IWF-Ökonomin. Weitere Senkungen hält sie daher für möglich.

Das muss allerdings nicht zwingend über tiefere Zinsen passieren: Die SNB könnte auch kleinere Freibeträge als bisher gewähren für Giroguthaben der Banken bei der Notenbank. Heute müssen auf einem Grossteil der Sichteinlagen keine Negativzinsen bezahlt werden.

Vorsicht bei Interventionen auf dem Devisenmarkt

Durch einen stärken Fokus auf Negativzinsen müsste die SNB laut den IWF-Experten weniger neue Devisenberge anhäufen. Allfällige Bewertungsänderungen bei den Währungsreserven stellten nämlich auch für die öffentlichen Finanzen ein Risiko dar. Der IWF rät der SNB daher, nur zurückhaltend zum Mittel der Interventionen zu greifen: Etwa wenn die Kapitalzuflüsse in die Schweiz kurzfristig stark anstiegen.

Die SNB hingegen sieht derzeit kein Bedarf, ihre Geldpolitik anzupassen, wie Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, sagte. Bei einer Veränderung der Situation - sollte sich etwa der Ausblick eintrüben - werde die SNB aber eine Anpassung prüfen.

Derzeit sieht es zwar für die Schweizer Wirtschaft gut aus. Dennoch lauern auch einige Stolpersteine, wie aus dem IWF-Länderexamen hervorgeht. Risiken sieht der Währungsfonds etwa für den Export. So rechnet er künftig mit einer schwächeren Nachfrage von Handelspartnern der Schweiz. Auch eine mögliche Verschlechterung der Beziehungen zur EU könnte der Schweiz drohen, sollte bei den Zuwanderungsfragen keine Einigung gelingen.

Eine Gefahr für die Schweiz ortet der IWF auch in den Finanzmärkten: Sollten auf der Jagd nach Rendite die Schwankungen auf den internationalen Finanzmärkten wieder zunehmen, könnte sich dies auch auf den Immobilienmarkt in der Schweiz auswirken.

Ungenutze Gelder im Folgejahr ausgeben

Um die Schweizer Wirtschaft auf Kurs zu halten, sieht der IWF aber nicht nur die SNB gefordert, sondern auch die Politik. Die Experten stellen fest, dass die Ausgaben regelmässig tiefer ausfallen als budgetiert. Deshalb schlagen sie vor, dass ungenutzte Budgetreste im Folgejahr ausgeben werden sollten. Im Falle einer starken Rezession müsste der Staat zudem mehr ausgeben, um Wachstum und Inflation zu stützen und die Geldpolitik zu entlasten.

Bei den Reformen sieht der IWF die Schweiz auf Kurs. Insbesondere von der Unternehmenssteuerreform erhofft er mehr Anreize für kleinere Firmen, zu investieren. Mittelfristig solle die Schweiz weitere Reformen angehen. Eine schwächere Besteuerung von Zweiteinkommen könnte etwa dazu beitragen, dass Frauen mehr arbeiten. Zudem sollte laut dem IWF die Chancengleichheit beim Bildungszugang verbessert werden.

Die Delegation des IWF führte das diesjährige Länderexamen vom 15. bis 26. September in Bern und Zürich durch. Für ein IWF-Mitgliedsstaat ist die regelmässige Beurteilung Pflicht.

(AWP)