Jahr der Zentralbank-Divergenz wurde zu Jahr neuer Annäherung

Dies sollte eigentlich das Jahr des Auseinanderdriftens der Geldpolitik in der Welt werden. Stattdessen laufen die Pfade wichtiger Zentralbanken wieder zusammen - wenn auch auf unterschiedlichen Bahnen.
25.09.2016 08:02
Fed-Chefin Janet Yellen.
Fed-Chefin Janet Yellen.
Bild: pixabay.com

Die Federal Reserve verzichtete am Mittwoch auf eine Anhebung der Leitzinsen und fuhr ihr Pläne für eine Straffung zurück. Nur Stunden zuvor hatte die japanische Notenbank ihren Standpunkt angepasst, um die Lücke zwischen kurz- und langfristigen Renditen ins Visier zu nehmen mit dem Ziel, die Finanzbranche zu unterstützen. Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft den Ansatz bei Anreizen, während sie ihre ultra-lockere Geldpolitik aufrechterhält. Und bei der Bank von England wird von einer weiteren Zinssenkung ausgegangen, während China weiter für reichlich Liquidität sorgt.

Die Angleichung der globalen Zentralbanken ist ein Eingeständnis dessen, dass es ein langer und schwieriger Weg bis wird, bis die Inflationsziele erreicht sind. Und dass langsames Produktivitätswachstum und eine alternde Bevölkerung das potenzielle Wachstum und die langfristigen neutralen Kreditkosten beschnitten haben.

"Die Zinsen sind überall für längere Zeit niedrig", sagt Michael Every, Leiter der Finanzmarkt-Analyse Asien-Pazifik bei Rabobank International in Hongkong. "Es ist eine strukturelle Funktion der dysfunktionalen weltweiten Konjunktur, mit der wir es zu tun haben."

Überwiegen Nachteile der Geldpolitik die Vorteile?

Das sind zwar gute Nachrichten für die Anlage-Märkte. Doch weitere Monate mit einer Rally an den Bondmärkten dürften einen Ausstieg aus den heutigen Krisen-Politik-Massnahmen noch schwieriger machen. Falls und wenn sich die Erwartung höherer Zinsen durchsetzt, könnten Verluste auf dem 100 Billionen Dollar schweren globalen Bondmarkt jede wirtschaftliche Erholung ausbremsen.

"Eine Anhebung der Zinsen oder die Auflösung von Anleihe-Käufen könnten die globale Wirtschaft weiter verlangsamen und vielleicht sogar die nächste Rezession auslösen", schrieb David Lafferty, Chef-Marktstratege bei Natixis Global Asset Management in Boston, unlängst in einer Notiz an Kunden. "Wir sind uns der Risiken zwar bewusst. Aber wir glauben, dass die Zentralbanken einen Punkt erreicht haben, bei dem die negativen Nebeneffekte der ausserordentlichen Politik jetzt anscheinend die immer weiter abnehmenden Vorteile überwiegen."

Die Frage, die sich stellt: Straffung und damit Ausbremsung des Wachstums oder Beibehaltung der ultralockeren Geldpolitik trotz steigender Gefahr von Preisblasen bei Anlagewerten?

Fed nähert sich dem Rest der Welt an

Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen spielte Sorgen, dass die Haltung der US-Notenbank zu Blasen auf den Finanzmärkten und der Wirtschaft beiträgt, am Mittwoch herunter. "Grundsätzlich würde ich nicht sagen, dass sich die Aktiva-Bewertungen von historischen Normen absetzen", erklärte sie.

Doch es gibt eine Reihe lautstarker Investoren, die dem widersprechen. So beschreibt beispielsweise Bill Gross von Janus Capital Group Bonds mit negativer Rendite als "Supernova, die eines Tages explodieren wird".

Hereingezogen in all das werden kleine, offene Volkswirtschaften wie Australien und Neuseeland. Ihre relativ höheren Renditen locken weiter Investoren an, treiben Währungsaufwertungen an und drücken die Preise für Importgüter nach unten. Weitere Zinssenkungen könnten hier notwendig werden, um internationales Kapital abzuwehren und die Inflation zu stützen.

"Das viel niedrigere Tempo bei der Straffung durch die Fed hat es den Zentralbanken in anderen Teilen der Welt ermöglicht, die geldpolitischen Konjunkturmassnahmen zu erhöhen", sagt Klaus Baader, Chef-Volkswirt Asien-Pazifik bei Société Générale in Hongkong. "Falls sich jemand dem Rest der Welt angenähert hat, dann ist es die Fed."

(Bloomberg)