Jede dritte Poststelle in der Waadt gefährdet, jede zweite im Jura

(Zusammenfassung) - Die Post hat am Mittwoch ihre Pläne zur Zukunft der Poststellen in den Kantonen Waadt und Jura vorgelegt. In der Waadt droht jeder dritten der 127 Poststellen die Schliessung, noch härter trifft es den Kanton Jura. In der gesamten Schweiz droht über 260 Poststellen das Aus.
07.06.2017 17:28

Von den 127 traditionellen Postbüros in der Waadt werden 49 "überprüft", wie die Post am Mittwoch in Bern ankündigte. "Wir machen das nicht zum Vergnügen", sagte Thomas Baur, der für das Poststellennetz verantwortlich ist.

Das Verhalten der Kunden habe geändert und die Post müsse sich anpassen. Für die 49 von der Schliessung bedrohten Poststellen in der Waadt müsse nun je eine Lösung mit den betroffenen Gemeinden gesucht werden.

Der gelbe Riese visiert hauptsächlich Agenturen in Läden an, "weil die Post damit im Dorf bleibt", wie Baur sagte. Neben den 49 Poststellen, die in der Waadt verschwinden könnten, garantiert die Post für 78 weitere bis 2020 den Weiterbetrieb.

Noch härter als die Waadt trifft es den Kanton Jura, in dem der Hälfte der Poststellen das Aus droht. Von den 31 Filialen sollen 15 "überprüft" werden, wie die Post ebenfalls am Mittwoch ankündigte. Sie sprach aber in beiden Kantonen nicht nur von Abbau.

SCHARFE KRITIK DER GEWERKSCHAFTEN

So sollen in der Waadt rund 15 und im Jura zwischen fünf und sieben neue Zugangspunkte geschaffen werden. Diese neuen Zugangspunkte entsprechen der Strategie der Schweizerischen Post, die das Netz der Poststellen zwar von heute 1400 auf 800 bis 900 verringern, die Zahl der Zugangspunkte jedoch von 3700 auf 4000 ausbauen will.

Die Gewerkschaft Syndicom kritisierte die Schliessungspläne in der Westschweiz. Die von der Post vorgeschlagenen Zugangspunkte seien keine wirklichen Alternativen, weil sie nur eine oder wenige Dienstleistungen anbieten würden, hiess es in einer Stellungnahme.

Die Post setze sich damit über die Entscheide des Nationalrates vom 30. Mai hinweg. Der Nationalrat hatte fünf Motionen angenommen, wovon eine verlangt, dass die Kriterien für die Erreichbarkeit künftig auf regionaler Ebene festgelegt werden sollen.

KANTON JURA BESORGT

Die Regierung des Kantons Jura kritisierte die Pläne ebenfalls und zeigte sich besorgt über einen drohenden Stellenabbau. Der Kanton verlangte von der Post, alles zu unternehmen, damit es nicht zu Entlassungen kommt.

Schliessungen von Poststellen ohne Ersatzlösungen soll es keine geben, wie Thomas Baur von der Post am Mittwoch sagte. Die Angestellten müssten vielleicht Flexibilität zeigen und in einem anderen Dorf arbeiten, aber "wir werden alles machen, um Entlassungen zu vermeiden."

ÜBER 260 POSTSTELLEN BEDROHT

Die Post hat mit den Kantonen Waadt und Neuenburg bislang die Pläne für 17 Kantone bekannt gegeben. In diesen stehen gemäss einer Auswertung der Nachrichtenagentur sda 266 Poststellen auf dem Spiel. Betroffen sind mehrere hundert Arbeitsplätze.

Für 450 Poststellen garantiert der gelbe Riese den Weiterbetrieb bis ins Jahr 2020. Am härtesten trifft es neben dem Jura den Kanton Bern, in dem fast die Hälfte der Poststellen geschlossen oder in eine Agentur umgewandelt werden sollen.

cf/

(AWP)