Jens Weidmann - Bundesbank-Präsident: EZB-Kurswechsel rückt näher

Die ultraexpansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann dank günstiger Wirtschaftsdaten allmählich an ihr Ende.
25.06.2017 07:00
Jens Weidmann: "Notenbanker brauchen Rückgrat".
Jens Weidmann: "Notenbanker brauchen Rückgrat".
Bild: Bloomberg

Im EZB-Rat sei über eine Verlängerung des zum Jahresende auslaufenden Anleihen-Kaufprogramms bislang nicht diskutiert worden, sagte Weidmann der Zeitung "Welt am Sonntag". "Setzen sich die solide Konjunkturentwicklung und die Preisentwicklung wie erwartet fort, ist es aus meiner Sicht aber Zeit, den Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik in den Blick zu nehmen."

Politischen Druck darf die EZB Weidmanns Worten zufolge bei einem Kurswechsel nicht nachgeben. "Notenbanker brauchen Rückgrat", betonte er laut Vorabbericht. Die Finanzminister müssten bei einem Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik mit steigenden Finanzierungskosten der öffentlichen Haushalte zurechtkommen.

Aus Sicht von Weidmann sind die Anzeichen für ein nachhaltiges Anziehen der Inflation im Euro-Raum zwar bisher verhalten und eine expansive Geldpolitik deswegen angemessen. Der EZB-Rat gehe aber geschlossen davon aus, dass der Preisdruck mit der Zeit zunimmt. Die EZB strebt eine Inflation von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an.

Aktuell liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem erwerben die Euro-Wächter derzeit monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro. Banken sollen so zu einer stärkeren Kreditvergabe bewegt werden. Das im März 2015 gestartete Programm soll noch bis Ende Dezember laufen. Experten erwarten, dass die Euro-Wächter bei einem weiterhin günstigen Konjunkturverlauf im September oder Oktober über ein Abschmelzen der Käufe nach dem Jahresende entscheiden werden.

Weidmann stand den Staatsanleihenkäufen von Anfang an kritisch gegenüber. Um mit dem Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht in Konflikt zu geraten, habe sich der EZB-Rat selbst Obergrenzen für die Käufe auferlegt, sagte der Bundesbank-Präsident. "An diesen Vorgaben sollten wir nicht rütteln." 

(Reuters)