Jordan: «Franken könnte sich wieder aufwerten»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt wie erwartet keine Änderungen beim Zielband für den Leitzins vor. Auch am Euro-Mindestkurs wird nicht gerüttelt.
20.06.2013 10:29
Von Frédéric Papp, Bern
SNB-Präsident Thomas Jordan
SNB-Präsident Thomas Jordan
Bild: cash

Das Zielband für den Dreimonats-Libor bleibt unverändert bei 0 bis 0,25 Prozent, teilte die SNB anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag in Bern mit. Auch der im September 2011 eingeführte Mindestkurs von 1,20 Franken bleibt bestehen.

Der Franken bleibe nach wie vor hoch bewertet. Eine Aufwertung des Frankens würde die Preisstabilität gefährden und hätte schwerwiegende Folgen für die Schweizer Wirtschaft. Der Mindestkurs bleibe im gegenwärtigen Umfeld wichtig, um bei einem plötzlichen Aufwertungsdruck auf den Franken eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen für die Schweiz zu vermeiden, schreibt die SNB weiter.

"Wir stehen bereit, den Mindestkurs wenn nötig durch den Kauf von Devisen in unbeschränkter Höhe durchzusetzen und bei Bedarf weitere Massnahmen zu ergreifen", betonte SNB-Präsident Thomas Jordan an der Medienkonferenz, und warnte: "Der Franken könnte wieder unter Aufwertungsdruck geraten".

In den vergangenen Wochen hat sich der Franken gegenüber den Euro abgeschwächt. Am 22. Mai gab er auf 1,2649 Franken nach. Derzeit wird er um 1,23 Franken gehandelt.

Weiter deflationäre Tendenzen

Die bedingte Inflationsprognose der Nationalbank hat sich gegenüber März kaum verändert. Die Prognose beruhe weiterhin auf einem unveränderten Dreimonats-Libor von 0 Prozent über die nächsten drei Jahre. Für 2013 erwartet die Nationalbank nun eine leicht tiefere Inflation von minus 0,3 Prozent. Für die Jahre 2014 und 2015 betrage die prognostizierte Inflation unverändert 0,2 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent. Auf absehbare Zeit wird die Inflation in der Schweiz somit sehr tief bleiben.
 
Die SNB informiert auch über die Entwicklung der Weltwirtschaft und deren Einfluss auf die Schweiz. Die Risiken für die Schweizer Wirtschaft seien hoch, so die SNB. Sie stammen weiterhin vor allem aus dem internationalen Umfeld. Eine Abschwächung der globalen Konjunkturdynamik könne nicht ausgeschlossen werden.
 
Obwohl das Bruttoinlandprodukt in der Schweiz im ersten Quartal deutlich anstieg, rechnet die SNB für das zweite Quartal jedoch mit einer spürbaren Abschwächung. Insgesamt erwartet sie aber für 2013 unverändert ein Wachstum von 1 bis 1,5 Prozent.

Die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB ist für den Kurs des Frankens zum Euro praktische folgenlos geblieben. Die Landeswährung gab in den ersten Minuten nach den Entscheiden zum Euro leicht ab.