Jordan: «Rücktritt war nie ein Thema»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält nach der Abkehr vom Euro-Mindestkurs am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs fest. An einer Medienkonferenz äissert sich SNB-Präsident Thomas Jordan zum SNB-Kurs
19.03.2015 11:29
SNB-Präsident Thomas Jordan erklärt vor den Medien den Zinsentscheid.
SNB-Präsident Thomas Jordan erklärt vor den Medien den Zinsentscheid.
Bild: Bloomberg

Die Währungshüter lassen das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent, erklärte die Notenbank am Donnerstag. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB werden weiterhin mit 0,75 Prozent belastet.

Die zur Attraktivitätsminderung des Franken eingeführten Negativzinsen hätten rasch Wirkung gezeigt, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan. "Wir werden nun das gegenwärtige Zinsniveau vorerst beibehalten", ergänzte Jordan bei einer Pressekonferenz in Zürich. "Es wird die Abschwächung des Franken weiter unterstützen."

"Insgesamt bleibt der Franken deutlich überbewertet", sagte Jordan weiter. Die SNB bleibe deshalb "bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen". Jordan äusserte sich nicht zu einem konkreten Gleichgewichtskurs.

Kein Rücktritt

Der Franken wertete sich am Donnerstag nach dem SNB-Zinsentscheid auf. Er stieg bis auf 1,0552 pro Euro, ein Mehrwochenhoch.

Einen für die exportorientierte Schweizer Industrie schädlichen übermäßigen Anstieg der Landeswährung wollen Jordan und seine Direktoriums-Kollegen nicht zulassen. "Bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik trägt die Nationalbank weiterhin der Wechselkurssituation und deren Einfluss auf Inflation und Wirtschaftsentwicklung Rechnung", hieß es.

An der Medienkonferenz erläuterte Jordan mehrere Male die Gründe für die Aufhebung der Kursuntergrenze. Nach dieser Aufhebung gab es massive Kritik an die Adresse des SNB-Direktoriums, vereinzelt wurde auch Rücktrittsforderungen von der Politik geäussert. "Ein Rücktritt von mir wie auch von meinen Direktoriumskollegen war nie ein Thema", sagte Jordan den Journalisten.

Franken kostet Wachstum

Der starke Anstieg des Franken wird die Schweiz nach Einschätzung der SNB Wachstum kosten. Die Währungshüter rechnen dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent. Im Dezember waren sie noch von "rund zwei Prozent" ausgegangen.

"Die Lage der Schweizer Wirtschaft ist mit der neuen Wechselkurssituation schwieriger geworden", sagte Jordan weiter. Die Arbeitslosigkeit dürfte moderat ansteigen, und die Produktionsauslastung dürfte kurzfristig sinken, sagte Jordan.

Ihre Inflationsprognose nahm die SNB zurück. Die Teuerung dürfte dieses Jahr bei minus 1,1 (bisher: minus 0,1) Prozent liegen. Für das nächste Jahr erwartet die SNB eine Inflationsrate von minus 0,5 (bisher: 0,3) Prozent. 2017 dürfte die Teuerung dann auf 0,4 Prozent steigen.

Die SNB hatte Mitte Januar die mehr als drei Jahre geltende Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken abgeschafft. Der radikale Kurswechsel löste an den Finanzmärkten heftige Turbulenzen aus und führte zu einem sprunghaften Anstieg des Frankens.

Zum Immobilienmarkt meint die SNB, dass die Ungleichgewichte, die sich auf diesen Märkten im Verlauf der letzten Jahre aufgebaut haben, insgesamt unverändert gross blieben. Die Nationalbank beobachte die Entwicklung aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden solle, heisst es dazu.

(cash/Reuters/AWP)