Jordan: «Wollen Märkte nicht beeinflussen»

Der UBS-Stabilisierungsfonds der SNB ist eine Profitmaschine. Eine vorzeitige Fondsauflösung sei aber noch kein Thema, sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Video-Interview. Er äussert sich auch zur Anlagepolitik.
07.03.2013 15:03
Von Daniel Hügli
SNB-Präsident Thomas Jordan erklärt gegenüber cash.ch das Jahresresultat der Nationalbank.
Bild: cash

Einst war er das Auffangbecken für toxische UBS-Papiere und die Voraussetzung dafür, dass die grösste Schweizer Bank nicht pleite ging. Heute ist der Stabilisierungsfonds eine Profitmaschine für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Bereits zum dritten Mal hintereinander schreibt der Fonds einen Gewinn. 2012 waren es 2 Milliarden Franken, wie die SNB am Donnerstag bekannt gab.

Trotz des mittlerweile stabilen Gewinnflusses aus dem ehemaligen "Gift-Korb" will die SNB nichts am Status Quo ändern. "Es gibt zwischen der UBS und der Schweizerischen Nationalbank ein klares Einverständnis, dass der Kredit vollständig zurückbezahlt wird", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan am Rande des Bilanzmedienkonferenz im cash-Video-Interview. "Es macht keinen Sinn, dass man einen Stabilisierungsfonds, der in dieser Struktur dermassen gut funktioniert, kurzfristig auflösen würde." Jordan glaubt auch nicht, dass langsam ein öffentlicher Druck entsteht, damit die UBS den Fonds vorzeitig zurückkaufen kann.

Ein Rückkauf ist der UBS vertraglich erst dann möglich, wenn der Stabilisierungsfonds das von der SNB gewährte Darlehen vollumfänglich an diese zurückgeführt hat. Der Gewinn des Fonds betrug 2 Milliarden Franken nach revidierten 0,1 Milliarden Franken im Vorjahr. Die Anlagen des Fonds hatten von einer positiven Marktentwicklung an den Verbriefungsmärkten und einer Rückkehr der Investoren in diese Marktsegmente profitiert. Laut Jordan ist eine Auflösung des Fonds in zwei Jahren möglich, sollte sich die derzeitige Marktentwicklung fortsetzen.

SNB-Risiko reduziert

Vor allem Oswald Grübel hatte in seiner Zeit als UBS-CEO keine Gelegenheit ausgelassen, um das Interesse eines Rückkaufs der in den Fonds eingebrachten UBS-Aktiven zu bekunden. Er hatte damit aber bei der SNB, in der Politik und in der Öffentlichkeit einen schweren Stand. Mittlerweile schweigt die UBS zur Causa "Stabfund".

Unter Berücksichtigung der weiteren Erfolgskomponenten und der Verlustabsicherungen trug der Stabilisierungsfonds 939 Millionen Franken zum SNB-Konzernergebnis von 6,9 Milliarden Franken Gewinn bei. Das von der SNB für den Stabfund gewährte Darlehen wurde in der Berichtsperiode von 8,1 Milliarden auf 4,8 Milliarden Franken reduziert. Das Gesamtrisiko für die SNB verringerte sich auf 5,6 Milliarden Franken von ursprünglich 35 Milliarden Franken.

Im letzten Jahr kaufte die SNB zur Sicherstellung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken Fremdwährungen im Gegenwert von 188 Milliarden Franken. 2011 hatte die SNB noch Devisen im Gegenwert von 17,8 Milliarden erworben. Der Devisenkauf führte zu einer wesentlichen Erhöhung der SNB-Bilanzsumme auf über 500 Milliarden Franken und auch zu einer Diversifizierung der Assets.

Im finnischen Markt investiert

"Wir überprüfen jedes Jahr, welches die beste Strategie für unsere Devisenanlagen ist", sagt Jordan im Video-Interview. Im letzten Jahr hat die SNB zum Beispiel die Aktienbestände mehr als verdoppelt. Sie machen jetzt 12 Prozent der Devisenbestände aus. "Das ist Teil einer längerfristigen Strategie. Wir kamen zum Schluss, dass es im derzeitigen Umfeld sinnvoll ist, den Aktienanteil weiter zu erhöhe", so Jordan.

Sie SNB müsse auch schauen, dass sie bei der Asset Allocation "wenig Einfluss auf die Marktentwicklung habe", sagt Jordan zu cash. "Wir wollen die Märkte nicht beeinflussen. Daher ist unser Vorgehen sehr vorsichtig, wenn wir unsere Aktiven investieren."

Die SNB gibt ihre Aktienengagements nicht bekannt. Durch national vorgeschriebene Offenlegungspflichten dringen jeweils dennoch einige Details durch. Bekannt ist, dass die Notenbank mit rund 300 Millionen Euro im finnischen Markt engagiert ist, davon alleine 50 Millionen Euro in Nokia-Aktien.

Im Sommer 2013 eröffnet die SNB in Singapur eine Niederlassung, damit die Notenbank die Devisenkurse intensiver beobachten und ihre asiatischen Investments besser bewirtschaften kann. Kein Grund für Jordan, danach dem Euro-Wechselkurs zum Franken weniger Beachtung zu schenken. "Ich werde den Wechselkurs natürlich weiter intensiv beobachten".

Im cash-Video äussert sich Thomas Jordan zu den Gründen der Volatilität in den SNB-Jahresabschlüssen und über kleineren Währungen, in welche die SNB investiert.