Journalistenverband wendet sich wegen Tamedia-Plänen an Weko

Der Zürcher Medienkonzern Tamedia missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, ist der Berufsverband der Schweizer Journalistinnen und Journalisten, Impressum, überzeugt. Er ruft deshalb die Wettbewerbskommission (Weko) an. Konkret geht es um die geplante Zusammenlegung von Tamedia-Redaktionen.
27.10.2017 10:45

Das Zürcher Medienhaus plant, ab 1. Januar 2018 die überregionale Berichterstattung seiner Tages- und Sonntagszeitungen in den Ressorts Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport sowie Kultur und Gesellschaft an je einem Standort pro Sprachregion zu konzentrieren. Grund für diese Bündelung der Ressourcen ist der starke Rückgang der Werbeumsätze.

Nach Ansicht von Impressum hat diese Konzentration der Zeitungsredaktionen eine in der Schweiz "noch nie dagewesene Verarmung der Informations- und Meinungsvielfalt" zur Folge, wie es in einer Mitteilung des Berufsverbandes vom Freitag heisst. Er will deshalb, dass sich die Weko der Sache annimmt.

Die Wettbewerbskommission soll feststellen, in welchen Regionen der Schweiz die Tamedia AG über eine marktbeherrschende Stellung verfügt. Zudem müsse die Weko prüfen, ob das Verhalten des Zürcher Medienhauses volkswirtschaftliche oder sozial schädliche Auswirkungen zeitigt, schreibt Impressum.

TAMEDIA SOLL MASSNAHMEN AUSSETZEN

Als "vorsorgliche Massnahme" fordert der Journalistenverband, dass Tamedia die Reorganisationsmassnahmen einstweilen aussetzt. Der Medienkonzern plant für die Bündelung der Kräfte drei so genannte Kompetenzzentren in Bern, Lausanne und Zürich. Kündigungen seien keine Vorgesehen, betonte das Unternehmen bei der Bekanntgabe seiner Pläne.

In der "Berner Zeitung" werde künftig dasselbe stehen wie im "Bund" - mit Ausnahme der Lokalnachrichten, befürchtet Impressum. Die Texte für die Leser in Bern würden zu einem grossen Teil aus Zürich angeliefert. Nur weil Tamedia dort keine lokale Konkurrenz zu fürchten habe, könne sie es sich leisten, diese Redaktionen zu demontieren.

Auch dass in den Zürcher Regionalzeitungen künftig die gleichen Inhalte wie im "Tagesanzeiger" zu lesen sein werden, kritisiert Impressum. Auch werde die "Tribune de Genève" zu einem Grossteil mit "24 Heures" aus Lausanne gleichgeschaltet. In einer Demokratie sei dies bedenklich, bildeten sich die Stimmberechtigten doch ihre Meinung aus den Zeitungen.

(AWP)