J.P.-Morgan-Studie - Türkei muss bis Mitte 2019 über 150 Milliarden Euro zurückzahlen

In der Türkei werden nach Analystenschätzungen bis Mitte nächsten Jahres umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.
29.08.2018 14:55
Eine Türkin zählt US-Dollar-Noten in einer Wechselstube im Grossen Basar von Istanbul (10.8.2018).
Eine Türkin zählt US-Dollar-Noten in einer Wechselstube im Grossen Basar von Istanbul (10.8.2018).
Bild: Bloomberg

Wie die Analysten der US-Investmentbank J.P. Morgan am Mittwoch in einer Studie ausführen, entfällt der Grossteil der Summe auf den Privatsektor - insbesondere auf Banken. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen.

"Der Finanzierungsbedarf in den nächsten Monaten ist gross und der Zugang zu den Märkten ist problematisch geworden", warnen die Experten. Umgerechnet rund 27 Milliarden Euro müssen nach Berechnungen von J.P. Morgan bereits bis zum Ende dieses Jahres zurückgezahlt werden. Bei Verbindlichkeiten von etwa 93 Milliarden Euro, die bis Juli 2019 beglichen werden müssten, bestehe ein Finanzierungsrisiko.

Seit Wochen steht die türkische Währung unter Druck. Seit Januar büsste die Lira zum Dollar fast 40 Prozent an Wert. Um die Liquidität der heimischen Banken zu sichern, hat die türkische Notenbank Mitte August die Geldschleusen geöffnet und den Instituten eine ausreichende Liquiditätsversorgung zugesichert.

Hinter dem Lira-Verfall steht unter anderem ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Zudem sehen Investoren zunehmend die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank in Gefahr.

(Reuters)