Kämpfe um ostsyrische IS-Bastion - USA und Moskau: politische Lösung

Nach dem Rückschlag im Kampf um eine der letzten IS-Bastionen haben die syrischen Regierungstruppen ihre Angriffe auf die Dschihadisten verstärkt. Durch Artilleriefeuer und Luftangriffe auf die ostsyrische Grenzstadt Albu Kamal seien Dutzende Zivilisten gestorben, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Auch gebe es heftige Gefechte am Stadtrand. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte die Kämpfe.
12.11.2017 15:19

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte Albu Kamal Aktivisten zufolge am Samstag vollständig zurückerobert, nachdem die Stadt von Damaskus eigentlich schon für befreit erklärt worden war. Demnach gab es auf beiden Seiten zahlreiche Tote.

Die Grenzstadt ist strategisch wichtig, da sie die IS-Gebiete in Syrien und im Irak miteinander verbindet. Die Extremisten haben nach Angaben der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition mittlerweile mehr als 95 Prozent ihres früheren Herrschaftsgebietes in den beiden Ländern verloren. Die Extremisten kontrollieren nur noch wenige von Wüste geprägte Regionen an der Grenze.

Derweil sprachen sich Russland und die USA beim Apec-Gipfel in Vietnam für eine politische Lösung im Syrien-Konflikt aus. Eine militärische Lösung für den Bürgerkrieg gebe es nicht, hiess es in der Erklärung, die am Samstag vom Kreml veröffentlicht wurde. Die Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin bekräftigten zugleich aber ihre Entschlossenheit, die Terrormiliz IS völlig aus Syrien zu vertreiben.

Im Irak startete die Armee des Landes eine Bodenoffensive an der Grenze zu Syrien, um auch dort die letzten IS-Gebiete im Land zu erobern. Befreit werden solle der Ort Rawa im Euphrat-Tal, teilte der Kommandeur des Einsatzes, Abd al-Amir Raschid Jarallah, mit. Aus Militärkreisen hiess es, die Armee sei bis ins Zentrum der Ortschaft Al-Rumana vorgedrungen. Der IS habe sich in die Wüste zurückgezogen. Die Ortschaft liegt nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt.

Im Norden des Irak wurden auf dem Gelände einer ehemaligen US-Militärbasis unterdessen mehrere Massengräber mit Hunderten mutmasslichen Opfern des IS entdeckt. Der Stützpunkt al-Bakara nahe der Stadt Hawidscha sei von den Extremisten als Hinrichtungsstätte genutzt worden, sagte der Gouverneur der Region Kirkuk, Rakan Said, irakischen Medienberichten zufolge am Samstag.

Die Terroristen hätten dort "nicht weniger als 400 Opfer" exekutiert. Demnach forderte Said die irakische Regierung und die Vereinten Nationen auf, die Massengräber zu inspizieren und die Opfer zu identifizieren. Anfang Oktober hatten irakische Truppen Hawidscha vom IS befreit.

Die Extremisten hatten vor mehr als drei Jahren grosse Teile des Iraks und Syriens überrannt und dann in den eroberten Gebieten ein Kalifat ausgerufen. In den vergangenen Monaten verloren sie jedoch nacheinander ihre früheren Hochburgen Mossul im Nordirak sowie Al-Rakka und Dair as-Saur in Syrien.

Unklar ist, ob IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi noch am Leben ist. Das Vereidigungsministerium in Moskau hatte im Juli gemeldet, er sie möglicherweise bei einem russischen Luftangriff in Syrien ums Leben gekommen. Das US-Militär geht jedoch davon aus, dass er noch lebt./scb/DP/he

(AWP)