Kantone und Bund investieren weniger in die Energieeffizienz

Bern (awp/sda) - Im vergangenen Jahr haben die Kantone zusammen mit dem Bund 103 Mio CHF zur Förderung der Energieeffizienz beigetragen. Das sind 13% weniger als 2014. Für den Abwärtstrend sind vier Kantone verantwortlich.
08.09.2016 12:36

Dennoch leisten die Kantone mit ihren Förderprogrammen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Energie- und CO2-Zielen des Bundes, wie das Bundesamt für Energie (BFE) am Donnerstag mitteilte.

Insgesamt wurden 90 Mio CHF direkt als Investitionsbeiträge für Gebäudesanierungen und Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie ausbezahlt. 13 Mio flossen in Informationsarbeit sowie Aus- und Weiterbildungen, wie der Wirkungsanalyse kantonaler Förderprogramme für das Jahr 2015 entnommen werden kann.

VON MINERGIE BIS SONNENKOLLEKTOREN

37 Mio CHF, rund 40% der Investitionsbeiträge, flossen in Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien wie automatische Holzfeuerung, Solarenergie oder Umweltwärme. Weitere 30%, insgesamt 29 Mio, wurden für die Sanierung von Gebäuden gesprochen und 15 Mio für energieeffiziente Neubauten. Der Rest ging an Wärmenetze zur Abwärmenutzung.

Mit dem Geld wurde eine energetische Wirkung von 8,8 Terawattstunden (TWh) erreicht - bezogen auf die ganze Lebensdauer der Massnahmen. Auch hier fällt die Wirkung tiefer aus als 2014. Die Förderbeiträge lösten im vergangenen Jahr Mehrinvestitionen von 356 Mio CHF aus. Die Beschäftigungswirkung betrug 2810 Personenjahre.

Zusammen kamen die Kantone dank der Massnahmen auf eine Reduktion des CO2-Ausstosses von 1,62 Millionen Tonnen CO2 bezogen auf die ganze Lebensdauer der Massnahmen. Im Vorjahr, 2014, waren es noch noch 1,76 Millionen Tonnen CO2.

Die Studie berücksichtigt nur die gegenüber dem Bund im Rahmen der Globalbeitragsgesuche deklarierten Ausgaben. Hinzu kommen zusätzliche Ausgaben der Kantone. Am meisten Geld für die Förderung der Energieeffizienz wurde im Jahr 2010 ausgeschüttet, wie die Wirkungsanalyse zeigt. Seither sinken die Beiträge stetig.

VIER KANTONE SCHEREN AUS

Den Rückgang der Beiträge begründet die Studie mit geringeren Auszahlungen in den Kantonen Basel-Landschaft, Luzern, Schaffhausen und Thurgau. Grund dafür sind später ausgeschüttete Förderbeiträge aufgrund von Sparvorgaben im Baselbiet.

Luzern hatte schon per 2013 die Förderung von Wärmepumpen und die Boni für den Ersatz von Elektroheizungen eingestellt, was sich 2015 bemerkbar machte. Schaffhausen wiederum hat das kantonale Förderprogramm gänzlich eingestellt. Und im Thurgau werden keine Minergie-Bauten im Basisstandard mehr gefördert.

INVESTITIONEN IM AUSLAND ERSETZEN AKW

Nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland wird in erneuerbare Energien investiert. Wie der Verein Energie Zukunft Schweiz (EZS) mitteilte, haben Schweizer Energieversorger und institutionelle Anleger in den letzten fünf Jahren im Ausland rund sieben Milliarden Franken in solche Anlagen investiert. Diese liefern jährlich mehr als 6,5 TWh Strom.

Zum Vergleich: Die in der Schweiz betriebenen Anlagen, die von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) profitieren, erzeugen insgesamt fast 3,4 TWh erneuerbare Energie pro Jahr. So gerechnet könnten Windparks und Solaranlagen in Schweizer Hand im In- und Ausland bereits knapp die Hälfte der Schweizer Kernkraftwerke ersetzen. Diese lieferten im vergangenen Jahr 22 TWh Strom.

Neben den bereits im Betrieb stehenden KEV-Anlagen hatten bis Ende Juni inländische Anlagen für zusätzliche 3,8 TWh Jahresproduktion einen positiven Finanzierungsentscheid erhalten. Projekte für weitere 6,4 TWh befinden sich auf der KEV-Warteliste.

Im November entscheidet das Schweizer Stimmvolk bei der Abstimmung über die Atomausstiegsinitiative, ob die AKW nach maximal 45 Jahren Laufzeit den Betrieb einstellen. Werde im gleichen Tempo wie bis anhin in erneuerbare Energien investiert, seien "in ungefähr sechs Jahren alle Schweizer Kernkraftwerke durch erneuerbare Energie ersetzt", schreibt die EZS.

cp/

(AWP)