Kapitulation der PessimistenSteigt der Goldpreis noch weiter?

Geopolitische Spannungen lassen den Goldpreis auf den höchsten Stand seit fünf Monaten steigen. Neuerdings glauben selbst die pessimistisch gestimmten Rohstoffstrategen von Julius Bär nicht mehr an einen Rückschlag.
12.04.2017 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Die Gold-Unze notiert auf dem höchsten Stand seit fünf Monaten.
Die Gold-Unze notiert auf dem höchsten Stand seit fünf Monaten.
Bild: Bloomberg

Die geopolitischen Spannungen geben dem Gold kräftig Auftrieb. Am frühen Mittwochmorgen klettert der Preis für eine Unze im asiatischen Handel vorübergehend auf 1274 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit letztem November. Alleine seit Jahresbeginn hat das Edelmetall in Dollar betrachtet um knapp 10 Prozent zugelegt. Aus Sicht eines in Franken rechnenden Anlegers beträgt das Plus immerhin noch gut 9 Prozent.

Diesen Anstieg verpasst haben dürfte für ihre Kunden die Bank Julius Bär. In den vergangenen Monaten zeigten sich die Rohstoffstrategen der traditionsreichen Zürcher Bank gleich mehrmals pessimistisch, was die Goldpreisentwicklung anbetrifft. Zuletzt hiess es, die Unze werde innerhalb von drei Monaten auf 1075 Dollar tauchen.

Von den USA ausgehende Wachstumseuphorie verpufft

Mittlerweile glauben aber selbst diese Experten nicht mehr einen kräftigen Rücksetzer. Sie schwenken deshalb auf eine neutrale Haltung und sehen das Edelmetall neu sowohl auf einen Anlagehorizont von drei als auch auf 12 Monate bei 1200 Dollar je Unze stehen. Überzeugung sieht anders aus, liegen die Prognosen doch noch immer etwas unter den zur Zeit bezahlten Preisen.

Schon seit Tagen kämpft sich die Gold-Unze kontinuierlich nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Die Rohstoffstrategen von Julius Bär räumen ein, dass die Wachstumseuphorie nach der überraschenden Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen vom November voreilig gewesen sei. Die Umsetzung der von der neuen Regierung im Wahlkampf versprochenen Massnahmen, insbesondere die Unternehmenssteuerreform und das Investitionspaket, nehme länger Zeit in Anspruch als ursprünglich gedacht. Dies, nachdem erste Vorstösse des US-Präsidenten Donald Trump selbst im eigenen republikanischen Lager nur bedingt auf Unterstützung stossen.

Folglich ist die von den Experten befürchtete Glattstellung von physischen Goldbeständen bis zum heutigen Tag ausgeblieben. Doch auch die von den Wahlen in Frankreich ausgehenden Unsicherheiten und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und in Südostasien führen beim Edelmetall zu einem Umdenken.

Gold in Wechselwirkung zum Dollar

In einem wesentlichen Punkt bleiben die Rohstoffstrategen von Julius Bär allerdings stur: Sie sehen in der zukünftigen US-Geldpolitik und im dadurch erstarkten Dollar die grösste Gefahr für das Gold.

Das lässt sich mit der schon seit Jahren zu beobachtenden Wechselwirkung zwischen dem Goldpreis und dem amerikanischen Dollar erklären. Steigt der Dollar, fällt für gewöhnlich der Goldpreis - und umgekehrt. Diese negative Korrelation lässt sich damit erklären, dass Anleger im Edelmetall Schutz vor Teuerung suchen.

Da auch die Zinsen einen Einfluss auf die Entwicklung des Dollar-Kurses haben, entscheidet nicht zuletzt auch die zukünftige US-Geldpolitik über den Goldpreis. Im Dezember 2015 erhöhte die US-Notenbank zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/08 ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte. Seither hat sie zwei weitere Zinsschritte im selben Umfang vollzogen, den letzten erst im März dieses Jahres.

Nach drei Leitzinserhöhungen seit Anfang Dezember 2015 gehen Ökonomen bis Ende 2017 von zwei weiteren Zinsschritten aus. In der jüngeren Vergangenheit ging die US-Notenbank die Sache aber eher gemächlich an, um die wirtschaftliche Belebung nicht zu gefährden. Ökonomen rechnen im weiteren Jahresverlauf mit zwei weiteren Leitzinserhöhungen. Liegen sie mit dieser Einschätzung richtig, würde das wiederum den eher vorsichtigen Rohstoffstrategen von Julius Bär in die Hände spielen.