Katar will Wirtschaft verteidigen - Märkte beruhigen sich

Regierung und Zentralbank von Katar haben die Finanzmärkte nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch Saudi-Arabien und andere Staaten der Region beruhigt. "Unsere Reserven und Investmentfonds entsprechen mehr als 250 Prozent des Bruttoinlandproduktes", sagte Finanzminister Ali Scherif al-Emadi in einem am Montag ausgestrahlten Interview des US-Fernsehsenders CNBC.
12.06.2017 16:26

"Ich denke deshalb, dass es keinen Grund dafür gibt, besorgt zu sein." Zentralbankchef Scheich Abdullah bin Saud al-Thani erklärte, das es weder bei in- noch bei ausländischen Transaktionen zu Unterbrechungen gekommen sei.

Der Kurs der heimischen Währung Riyal stabilisierte sich, nachdem er vorige Woche erheblich unter Abwertungsdruck geraten war. Auch die Kosten für die Absicherung katarischer Staatsanleihen gegen eine Pleite sanken wieder. Eine Gruppe von Staaten um Saudi-Arabien wirft Katar Terrorfinanzierung vor und hat das Land isoliert.

"Viele Leute denken, dass wir die Einzigen sind, die dabei verlieren", sagte Emadi. "Aber wenn wir einen Dollar verlieren, dann werden sie auch einen Dollar verlieren." Das Emirat weist die Anschuldigungen zurück und wird seinerseits vom Iran und der Türkei unterstützt.

Aussenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahm hofft auf eine Beilegung des Streits. "Diplomatische Gespräche sind die Lösung, doch bedürfen sie einer Grundlage, die derzeit nicht erhältlich ist", sagt er dem heimischen Fernsehsender Al-Dschasira.

Wichtiger Investor in der Schweiz

Der Verkauf von Anteilen an grossen westlichen Unternehmen durch den heimischen Staatsfonds steht dem Finanzminister zufolge nicht zur Debatte. "Wir sind extrem zufrieden mit unseren Positionen, unseren Investitionen und unserer Liquidität in unseren Systemen." So ist der Staatsfonds von Katar der viertgrösste Aktionär der Grossbank Credit Suisse. Mit einem Stimmenanteil von knapp 18 Prozent ist der Wüstenstaat der mit Abstand grösste Einzelaktionär.

Der Fonds steht auch hinter dem Zentralschweizer Luxushotel-Resort Bürgenstock. Der Staatsfonds hat über seine Zuger Tochter Katara Hospitality Switzerland über 500 Millionen Franken in das Luxusresort investiert

Katar war letztes Jahr der fünftwichtigste Handelspartner der Schweiz in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika - mit einem Handelsvolumen von total 1,1 Milliarden Franken. Die Schweiz exportiert vor allem Edelsteine- und -Metalle sowie Uhren, Maschinen und Pharmaprodukte in das Land.

Flüssiggas als Trumpfkarte

Die Energiebranche und die Konjunktur insgesamt würden normal weiterlaufen, sagte Emadi. Auch gebe es keine ernsthaften Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Lebensmitteln oder anderen Waren. Katar könne Güter aus der Türkei, dem Fernen Osten und aus Europa importieren. Auf die Krise werden man reagieren, indem die Volkswirtschaft noch breiter aufgestellt werde.

Experten zufolge kann sich Katar halten, solange andere Golfstaaten nicht die Ausfuhr des Exportschlagers Flüssiggas stören. "Es scheint so, dass Katar eine längere Phase von Sanktionen überstehen kann", sagte Analyst Jason Tuvey von Capital Economics. Die Regierung könne das Wachstum mit Staatsausgaben und Infrastrukturprojekten sichern. Höhere Kosten und Verzögerungen könnten die Konjunktur aber bremsen.

(AWP)