Kaum schnelles Freihandelsabkommens zwischen Schweiz und UK

Der Präsident des Britischen Industrieverbandes CBI, Paul Drechsler, hat Hoffnungen auf einen baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Grossbritannien und der Schweiz eine Absage erteilt. In einem Interview mit der Zeitung "Tages-Anzeiger" vom Montag sagte er, die EU habe Vorrang.
13.02.2017 11:04

"Ein Handelsabkommen wäre sicher wünschenswert, aber zuerst müssen wir unsere Beziehung zur EU regeln.", erklärte CBI-Präsident Drechsler. Der zehntwichtigste Handelspartner Grossbritanniens müsse sich daher noch gedulden.

Die Schweiz habe die beste aller möglichen Beziehungen mit der EU und von ihr könne Grossbritannien einiges lernen. Allerdings sehe er mit dem Brexit-Entscheid die grössten wirtschaftspolitischen Verhandlungen seit dem Ende der Sowjetunion anstehen.

"Wir arbeiten seit Jahrzehnten mit Verträgen, Abkommen und Regelungen, die wir nun alle ändern", sagte der Verbandspräsident, der rund 190'000 Unternehmen vertritt. Seine Organisation strebe einen schrankenlosen Handel mit der gesamten Welt an und wolle von den heute 53 EU-Handelsverträgen weiterhin profitieren.

PHASE LANGANHALTENDER UNGEWISSHEIT

Für die unmittelbare Zeit nachdem Grossbritannien das Austrittsgesuch bei der EU deponiert, geht er von viel politischem Theater aus, da Wahlen in den Staaten mit dem grössten Einfluss in der EU stattfänden. "Politiker werden viel Lärm machen und grosse Reden halten", prophezeit er und sagt eine langanhaltende Phase der genereller Ungewissheit voraus.

Drechsler will sich in dieser Zeit an der Schweiz orientieren, weil sie seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative eine ähnliche Situation mit der EU durchläuft. Gerade mit ihrem Pragmatismus habe die Schweiz dabei gute Erfahrungen gemacht, hob er im Interview hervor.

"Wir brauchen Europa, um selbst stark zu sein", betonte der CBI-Verbandspräsident. Schon allein deshalb sei eine totale Abkehr von der EU keine Option.

(AWP)