Kehrtwende  - Nach Syngenta-Übernahme: China plant Mega-Chemiekonzern

China will einem Pressebericht zufolge den weltgrössten Chemiekonzern schaffen. Das Vorhaben wurde vor ein paar Monaten noch dementiert.
09.05.2017 07:48
Tiananmen-Platz in Peking: China übernimmt am Laufmeter Firmen weltweit.
Tiananmen-Platz in Peking: China übernimmt am Laufmeter Firmen weltweit.
Bild: cash

Der Staatskonzern ChemChina soll nach der abgeschlossenen Übernahme des Agrochemiekonzerns Syngenta mit Sinochem zusammengeschlossen werden, wie die "Financial Times" ("FT"/Dienstagausgabe) unter Berufung auf mehrere führende Investmentbanker in Asien berichtet. Dadurch würde ein Riesenkonzern mit einem jährlichen Umsatz von 100 Mrd USD geschaffen.

Der mögliche Zusammenschluss sei politisch gewollt, hiess es in dem Bericht. Dadurch wolle die chinesische Regierung unter anderem sicherstellen, dass sich ChemChina nicht an dem 43 Mrd USD teuren Kauf von Syngenta verschluckt und sich diesen dauerhaft leisten kann. Die Übernahme des Unternehmens ist der grösste Zukauf Chinas im Ausland.

Gerüchte über einen Zusammenschluss von ChemChina mit Sinochem sind seit rund einem halben Jahr im Umlauf und wurden in den Vergangenheit stets dementiert. "Nein, nein, das war ein Gerücht über eine lange Zeit", sagte etwa Sinochem-Chef Ning Gaoning Mitte Januar auf dem Asian Financial Forum in Hongkong. "ChemChina hat uns wiederholt versichert, sie stünden nicht in Fusionsverhandlungen mit Sinochem", betonte derweil Syngenta-CEO Erik Fyrwald letzten Oktober im Gespräch mit AWP.

In der Chemiebranche ist derzeit viel in Bewegung. Neben der kurz vor dem Abschluss stehenden Übernahme von Syngenta gibt es eine Reihe weiterer Milliardentransaktionen. So will zum Beispiel Bayer den US-Saatgutspezialisten Monsanto für 66 Mrd USD kaufen. In den USA wollen sich die beiden Konzerne Dow Chemical und Dupont zusammenschliessen, um sich dann anschliessend aufzuspalten.

Am Ende soll es drei einzelne jeweils börsennotierte Unternehmen in den Bereichen Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoff geben. Der bisherige Branchenprimus BASF steht bei dem Fusions- und Übernahmekarussell derzeit an der Seitenlinie, könnte aber als Käufer von der ein oder anderen Sparte, die bei den Riesenfusionen als Auflage von Wettbewerbshütern verkauft werden müssen, auftreten.

(AWP)