Kolumne

Kevin Hassett - Trumps designierter Wirtschaftsberater

In Washington verdichten sich die Gerüchte, dass Kevin Hassett von Präsident Donald Trump zum Vorsitzenden des Wirtschaftsrates berufen wird. Wer ist Hassett?
05.03.2017 20:20
Helmut Dietl, Professor Universität Zürich
Trumps designierter Wirtschaftsberater

Derzeit arbeitet Hassett noch als Direktor für wirtschaftspolitische Studien am American Enterprise Institut. Er ist ein renommierter Ökonom, der sowohl über eine fundierte akademische als auch eine umfangreiche politische Erfahrung verfügt. Hassett hat an der Pennsylvania Universität promoviert und war Professor für Wirtschaft und Finanzierung an der Columbia Universität. In den Wahlkampfjahren 2004, 2008 und 2012 war er jeweils Wirtschaftsberater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Zu seinen Hauptforschungsgebieten gehören vor allem steuer- und fiskalpolitische Themen. Hassett hat sich aber auch mit seinen Untersuchungen von Investitionsentscheidungen einen Namen gemacht. Seine wissenschaftliche Reputation erhielt jedoch einen herben Rückschlag, als er 1999 gemeinsam mit James Glassman das Buch "Dow 36,000: The New Strategy for Profiting From the Coming Rise in the Stock Market" veröffentlichte.

Im Mittelpunkt des Buches steht das sogenannte Equity Premium Puzzle. Hierunter versteht man das Paradoxon, dass zwischen Aktien und Staatsanleihen unerklärbar hohe Renditeunterschiede bestehen. Bei langfristiger Betrachtung betragen diese Unterschiede durchschnittlich 3 bis 7 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, dass man mit einem diversifizierten Aktienportfolio auf Dauer 3 bis 7 Prozent mehr verdient als mit Staatsanleihen.

Zumindest ein Teil dieser Renditeunterschiede wird traditionellerweise damit begründet, dass auch ein breit diversifiziertes Aktienportfolio höheren Wertschwankungen ausgesetzt ist als Staatsanleihen. Dieses grössere Risiko drückt die Aktienkurse, weil risikoscheue Anleger nur dann in ein diversifiziertes Aktienportfolio investieren, wenn sie im Gegenzug mit höheren Renditeerwartungen für das eingegangene Risiko entschädigt werden.

Glassman und Hassett argumentieren nun, dass Anleger dieses Risiko eliminieren können, indem sie eine langfristige Anlagestrategie verfolgen. Der Aktienmarkt weist nämlich nur kurzfristig höhere Wertschwankungen auf als der Markt für Staatsanleihen. Bei langfristiger Betrachtung verschwinden die Risikounterschiede.

Anleger mit einem Planungshorizont von zwanzig oder mehr Jahren sollten also überwiegend in Aktien investieren, da Aktien aus langfristiger Sicht aufgrund der zu hohen Risikoprämie unterbewertet sind. Je mehr Anleger dies erkennen, desto schneller werden die Aktienkurse steigen.

Mit dieser Argumentation prophezeiten Glassman und Hassett, dass der Dow-Jones-Index bald bei 36'000 stehen wird. Als sie ihr Buch veröffentlichten, lag er noch bei etwas mehr als 10'000. Sie liessen sich sogar auf die Wette ein, dass der Dow Ende 2009 näher bei 36'000 als bei 10'000 liegen würde. Nachdem der Dow am Ende des Jahres 2009 bei 10'428 stand, lösten beide ihre Wette ein und spendeten der Heilsarmee jeweils 1000 Dollar.

Vielleicht schafft der Dow Jones Index die 36'000 unter Trumps Präsidentschaft. Derzeit ist er jedenfalls auf einem guten Weg dorthin.

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