Kleinkunden können noch lange nicht von Strommarkt profitieren

Bern (awp/sda) - Die Strompreise sinken und sinken - aber nur für Grosskunden. Für Verbraucher von mehr als 100 Megawattstunden Strom ist der Markt in der Schweiz seit 2009 liberalisiert. Sie können ihren Stromlieferanten frei wählen. Alle anderen Konsumenten müssen auf diese Möglichkeit wohl noch lange warten.
19.09.2016 15:41

Die Marktöffnung für alle Stromkonsumenten war eigentlich fünf Jahre nach der Öffnung für Grosskunden geplant. Bisher wurde die zweite Etappe aber nicht umgesetzt. Der Bundesrat will die Verhandlungen mit der EU über ein Stromabkommen, die Energiestrategie 2050 und die geplante Revision des Stromversorgungsgesetzes abwarten, wie er im Mai mitteilte.

Der Bundesrat hält zwar an der Marktöffnung fest, wartet mit dem Schritt aber zu. Entsprechende Vorschläge will er dem Parlament spätestens dann machen, wenn sich eine Lösung für den Abschluss eines Stromabkommens mit der EU abzeichnet. Die Strommarktöffnung ist nach seinen Angaben eine zwingende Voraussetzung dafür.

Für Kleinkunden bedeutet das, dass sie weiterhin die Vollkosten für den Strom bezahlen, während sich Grosskunden mit Strom zu den tieferen Marktpreisen eindecken können. Während die Grosshandelspreise zwischen 2013 und 2016 um einen Drittel fielen, nahmen die von Konsumenten bezahlten Preise um über 5% zu, wie die Credit Suisse in ihrem Monitor Schweiz zum ersten Quartal errechnet hat.

Gemäss Berechnungen der CS-Ökonomen müssten die Konsumenten bei gleichem Stromkonsum wie heute in einem freien Markt 1 Mrd CHF oder 38% weniger bezahlen. Der Aufschub der Liberalisierung entlaste somit vor allem die Staatsfinanzen, folgerten die Ökonomen. Denn die Schweizer Elektrizitätswirtschaft befindet sich zu 88% im Besitz der öffentlichen Hand.

Im kommenden Jahr sollen Schweizer Haushalte immerhin etwas von den günstigeren Preisen profitieren. 2017 sinken die Strompreise für die Haushalte im Durchschnitt um zwei Prozent, wie die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) errechnet hat. Rund zwei Drittel der Netzbetreiber erhöhen ihre Tarife, während ein Drittel sie senkt.

(AWP)