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Kommt es zum «Grexit»?

Im Januar stehen mit Neuwahlen in Griechenland und dem möglichen Start des EZB-Anleihenkaufprogramms zwei wichtige Ereignisse auf der Agenda. Im cash-Börsen-Talk äussert sich ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis dazu.
09.01.2015 01:01
Von Frédéric Papp
ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Am 25. Januar finden in Griechenland Neuwahlen statt. Kommt die linkspopulistische Syriza-Partei an die Macht - und die Chance stehen gut - geht in Europa die Angst um: Die neue Regierung könnte die Sparbemühungen der vergangenen Jahre wieder rückgängig machen. In der Folge würde EZB-Präsident Mario Draghi den Geldhahn für Griechenland zudrehen, was der Staatsbankrott bedeuten würde, llauten die Befürchtungen.

Doch soweit wird es ziemlich sicher nicht kommen. "Die Syriza wird sich nach dem Wahlsieg weniger radikal verhalten", sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank, im cash-Börsen-Talk. Er rechnet fest mit einem Wahlsieg der Syriza-Partei, die aber Koalitionen mit anderen Parteien eingehen müsse, um regierungsfähig zu werden.

"Grexit" ist unwahrscheinlich

Frangulidis glaubt auch nicht an den oft zitierten "Grexit", also den Ausschluss Griechenlands aus dem Euro. Zum einen halten drei Viertel der Bevölkerung und 60 Prozent der Syriza-Anhänger an der Gemeinschaftswährung fest. Zum anderen wäre ein Ausschluss Griechenlands nicht nur für die Griechen, sondern ebenso für die übrigen Euroländer ein verlustträchtiges Geschäft. So halten rund 80 Prozent der öffentlichen Schulden Griechenlands Italien, Frankreich und Deutschland. Werden die Schulden nicht mehr bedient, müssten diese Regierungen ihren Steuerzahlern erklären, weshalb ihr Geld nicht mehr da ist. "Das könnte das politische System auch anderswo in Europa destabilisieren", so Frangulidis.

Dennoch ist der Unmut in der griechischen Bevölkerung über das Spardiktat aus Brüssel gross, denn die Bevölkerung musste in den letzten Jahren arg bluten. Ein paar Fakten: Der Einkommensverlust der Griechen ist enorm. Das Land hat 25 Prozent des Bruttoinlandprodukts verloren. Die Arbeitslosigkeit ist stark angestiegen, die Steuerbelastung ebenso.

EZB-Anleihekäufe bringen wenig

Die Griechen haben sehr viel geleistet, ihre Opfer sind enorm. "Im Norden Europas hingegen werden diese Bemühungen verkannt", so Frangulidis. Laut dem griechischstämmigen Chefökonomen haben die Griechen nun aber den grössten Teil der Sparmassnahmen hinter sich. Nun müsse Wachstum her. Doch genau das ist das Problem der Eurozone insgesamt – fehlendes Wirtschaftswachstum.

Die EZB versucht das Wirtschaftswachstum nun anzufachen, indem sie Staatsanleihen der Euroländer aufkaufen will und damit die Zinsen weiter nach unten drückt. Erwartet wird ein solcher Schritt an der EZB-Sitzung vom 22. Januar. Doch laut Frangulidis ist der Nutzen einer solchen Massnahme nicht sehr gross. Anders als in den USA hole sich der private Sektor das Geld nicht am Kapitalmarkt, sondern bei den Banken, und diese seien teils nicht stark genug dafür.

Direkter wirke hingegen eine weitere Abschwächung des Euro, sagt Frangulidis. Laut Marktschätzungen erhöht eine 10-prozentige Abschwächung der Gemeinschaftswährung das Gewinnwachstum der Unternehmen um geschätzte 5 Prozent.

Eine weitere Abschwächung des Euro bringt die Schweizerische Nationalbank in die Bredouille. Im cash-Börsen-Talk äussert sich Frangulidis zur ungemütlichen Lage der SNB. Weiter sagt er, ob ein Austritt Griechenlands aus dem Euro rechtlich und technisch möglich wäre, und er geht auf die Diskussion rund um die Einführung von Parallelwährungen ein.