Konglomerat - Autobahn-Betreiber Atlantia gebietet nicht nur in Genua über Strassen

Der Betreiber der im italienischen Genua eingestürzten Autobahn-Brücke, Autostrade per l'Italia, gehört zum Atlantia-Konzern. Wo das von der Benetton-Familie kontrollierte Konglomerat überall tätig ist.
15.08.2018 12:59
Italien steht nach dem Brückeneinsturz in Genua unter Schock.
Italien steht nach dem Brückeneinsturz in Genua unter Schock.
Bild: Pixabay

Der Atlantia- Konzern will sich unter anderem am Bauriesen Hochtief beteiligen. Insidern zufolge hatte Atlantia auch Interesse an der deutschen LKW-Maut angemeldet.

Atlantia betreibt in Italien über Tochtergesellschaften nach eigenen Angaben ein Autobahn-Netz von knapp über 3000 Kilometern. Wichtigste Beteiligung ist dabei Autostrade per l'Italia. Atlantia hält knapp 90 Prozent der Anteile an der Gesellschaft. Die Tochter gebietet über 2855 Kilometer Maut-Autobahnen - darunter auch die Strecke bei Genua. Die entsprechenden Konzessionen laufen Atlantia zufolge bis 2038. Im vergangenen Jahr kam die Tochter auf einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro.

Atlantia betreibt zudem Mautstraßen in Braslien, Chile, Indien und Polen. Zum Konzern gehören auch die beiden Flughäfen der italienischen Hauptstadt Rom, Fiumicino und Ciampino, sowie der Airport im südfranzösischen Nizza. Atlantia hat zudem Maut-Systeme wie die italienische Telepass Spa im Angebot. Interesse hat der Konzern nach früheren Aussagen aus Branchen- und Regierungskreisen auch am Betrieb der deutschen LKW-Maut.

Atlantia kam 2017 auf einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro - über vier Milliarden Euro brachten dabei die Maut-Straßen ein. Die Gruppe wies 2017 einen Gewinn von 1,4 (Vorjahr: 1,2) Milliarden Euro aus. Die Familien-Holding der durch die Textilkette bekannten Familie Benetton, Edizione, hält über 30 Prozent der Atlantia-Anteile.

Derweil entlädt sich Wut über Autostrade per l'Italia. Danilo Toninelli, italienischer Minister für Infrastruktur und Verkehr und Angehöriger des "Movimento Cinque Stelle", will die Verantwortlichen der Betreibergesellschaft zur Rechenschaft ziehen: "Sie erheben die höchsten Gebühren in Europa, während sie für die Konzessionen beschämend wenig zahlen. Sie verdienen Milliarden, zahlen nur ein paar Millionen Steuern und unterlassen den notwendigen Unterhalt für unsere Brücken und Straßen."

Auch in Deutschland und Spanien bekannt

Muttergesellschaft Atlantia hat in der Vergangenheit auch in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Die Italiener wollten sich den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis einverleiben - doch den hatten auch der ACS-Konzern von Real-Madrid-Chef Florentino Perez und dessen deutsche Beteiligung Hochtief ins Visier genommen. Zunächst zeichnete sich ein milliardenschwerer Bieter-Wettkampf zwischen den Kontrahenten ab, doch im März einigten sich die Konzerne auf eine gemeinsame Offerte.

Als einer der Architekten der Übereinkunft gilt Atlantia-Chef Giovanni Castellucci. Hochtief übernimmt danach in einer über 18 Milliarden Euro schweren Transaktion Abertis. Danach sollen die Spanier in einer Holding landen, an der Atlantia eine knappe Mehrheit hält. Zudem sollen sich die Italiener mit 24,1 Prozent an Hochtief beteiligen. Hochtief will die Abertis-Transaktion bis Oktober abschließen, fast alle Aktien haben sich die Essener gesichert, Abertis ist von der Madrider Börse genommen worden.

Die neue Gruppe werde eine weltweit führende Position im Bau-, Infrastruktur- und Konzessionsgeschäft inne haben, hatte Perez angekündigt.

(Reuters)