Konjunktur - US-Konsumausgaben brechen ein wie nie zuvor - Sparquote steigt stark

Massenarbeitslosigkeit und Corona-bedingte Geschäftsschliessungen haben den US-Konsum im April in Rekordtempo einbrechen lassen.
29.05.2020 15:43
Shopping im University-Village-Shoppingcenter in Seattle, Washington (Mai 2016).
Shopping im University-Village-Shoppingcenter in Seattle, Washington (Mai 2016).
Bild: Bloomberg

Die Verbraucher gaben 13,6 Prozent weniger aus als im Vormonat, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Ein grösseres Minus hat es seit Beginn der Statistik 1959 noch nicht gegeben. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Minus von 12,6 Prozent gerechnet, nachdem es bereits im März einen Rückgang von 6,9 Prozent gegeben hatte. Die Amerikaner gaben beispielsweise weniger für Lebensmittel und Getränke, Restaurants, Gesundheit und Hotels aus.

Der Einbruch des Konsums deutet darauf hin, dass die weltgrösste Volkswirtschaft im laufenden zweiten Quartal so stark schrumpfen könnte wie seit der Grossen Depression in den 1930-er Jahren nicht mehr. Schliesslich macht der Konsum mehr als zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Einige Ökonomen erwarten, dass es um bis zu 40 Prozent fallen dürfte. Das BIP fiel bereits im ersten Quartal mit einer Jahresrate von 5,0 Prozent- das grösste Minus seit den Jahren der Finanzkrise 2007-09.

Wegen der Krise und der drastisch steigenden Arbeitslosigkeit legten die Amerikaner lieber Geld beiseite: Die Sparquote kletterte auf 33,0 Prozent, nachdem sie im März noch bei 12,7 Prozent gelegen hatte. Die Einkommen legten mit 10,5 Prozent so stark zu wie noch nie, weil Millionen Amerikaner jeweils 1200 Dollar aus dem staatlichen Krisenpaket bekamen.

Die USA sind das weltweit am schwersten von der Pandemie betroffene Land. In vielen Regionen wurden daher im April Kontaktbeschränkungen durchgesetzt, was zur Schliessung von Geschäften, Restaurants und Dienstleistern führte. Auch die hohe Zahl der Arbeitslosen dürfte viele Amerikaner vom Geldausgeben abgehalten haben: Ihre Zahl stieg in den vergangenen Wochen wegen der Corona-Krise um mehr als 40 Millionen.

(Reuters)