Konjunktur - US-Senat schiebt Infrastrukturpaket von 550 Milliarden Dollar an

Das billionenschwere Infrastrukturprogramm von US-Präsident Joe Biden hat am Mittwoch eine wichtige Hürde im Kongress genommen.
29.07.2021 06:41
Das Kapitol in Washington D.C. ist Sitz des US-Kongresses, bestehend aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat.
Das Kapitol in Washington D.C. ist Sitz des US-Kongresses, bestehend aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat.
Bild: imago images / UPI Photo

Der US-Senat hat mit einer überparteilichen Mehrheit die Gesetzgebung für ein Infrastrukturpaket in Höhe von rund 550 Milliarden US-Dollar (466 Milliarden Euro) angestossen. Der Abstimmung waren wochenlange und zähe Verhandlungen vorausgegangen. US-Präsident Joe Bidens Demokraten, die im Senat 50 Sitze haben, brauchten die Zustimmung von mindestens zehn Republikanern, um das Gesetzgebungsverfahren anzustossen. 67 Senatoren stimmten am Mittwochabend (Ortszeit) für die Initiative, 32 dagegen.

Das Paket soll einer Mitteilung des Weissen Hauses zufolge 550 Milliarden Dollar für "neue Investitionen der Bundesregierung in Amerikas Infrastruktur" umfassen und Millionen Arbeitsplätze schaffen. Biden, der seit Monaten intensiv für das Paket geworben hatte, lobte den Kompromiss als Zeichen an die Welt, dass die US-Demokratie weiter Grosses leisten könne. Es sei "die bedeutendste langfristige Investition in unsere Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit seit fast einem Jahrhundert", erklärte er.

Die Mittel sollen in den kommenden Jahren für Strassen, Brücken, Häfen, Flughäfen, den Nahverkehr und die Bahn eingesetzt werden. Zudem sind Mittel für die Modernisierung der Stromversorgung und den Ausbau der Ladestationen für elektrische Autos vorgesehen.

Biden hatte im Frühjahr zunächst Pläne angekündigt, die in den kommenden acht Jahren Ausgaben in Höhe von rund 2 Billionen US-Dollar (1,7 Billionen Euro) für die Erneuerung der Infrastruktur vorsahen. Das Vorhaben und die geplante Finanzierung über Steuererhöhungen stiess bei Republikanern jedoch auf sehr grossen Widerstand.

Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, erklärte nun, das Ziel sei es, das Infrastrukturpaket und die Verhandlungen zum nächsten Haushalt noch vor der August-Sommerpause abzuschliessen. "Es könnte ein paar lange Nächte geben und sich in die Wochenenden ziehen, aber wir werden das schaffen", sagte Schumer nach der Abstimmung. Der genaue Umfang und Inhalt des Infrastrukturpakets könnte sich im Gesetzgebungsverfahren im Senat und anschliessend im Repräsentantenhaus noch verändern.

Viele Republikaner lehnen auch das Kompromisspaket als zu teuer oder angesichts der boomenden US-Wirtschaft als unnötig ab. Ex-Präsident Donald Trump etwa zeigte sich in einer Mitteilung erbost über das geplante Massnahmenbündel: "Das ist ein Verlust für die USA, ein schrecklicher Deal, der die Republikaner schwach, doof und dumm aussehen lässt." Dies werde ein Sieg für Biden sein und die Demokraten würden diesen für die Kongresswahlen im kommenden Jahr ausschlachten, warnte er. Die Massnahmen "setzen die Zerstörung unseres Landes fort", zürnte Trump.

Dem Weissen Haus zufolge sollen aus dem Paket rund 110 Milliarden Dollar auf fünf Jahre verteilt in den Ausbau oder die Renovierung von Strassen und Brücken fliessen. Knapp 40 Milliarden Dollar sollen in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fliessen, weitere 66 Milliarden Dollar an die Bahngesellschaft Amtrak. Zudem sind auch Mittel zum Ausbau der Ladestationen für elektrische Autos und für die Förderung elektrischer Busse vorgesehen. Für Häfen und Flughäfen sind zusammen 42 Milliarden Dollar vorgesehen. Auch der Ausbau von schnellen Internetverbindungen und die Verbesserung der Wasserversorgung, darunter der Austausch aller Bleirohre, sollen mit dem Paket finanziert werden. Gut 70 Milliarden Dollar sollen zudem in die Modernisierung der Strominfrastruktur fliessen.

Die konkrete Gegenfinanzierung und die Laufzeit des Pakets klangen in der Mitteilung des Weissen Hauses noch etwas schwammig. Die Massnahmen würden durch eine Umwidmung nicht genutzter Mittel aus dem letzten Konjunkturpaket, gezielte Gebühren für Firmen und ein stärkeres Durchgreifen gegen Steuerhinterziehung finanziert, hiess es.

(AWP)