Konjunktur - Wie sich die vier grössten Euro-Länder in der Krise schlagen

Die Corona-Krise hat die Konjunktur in den vier grössten Euro-Ländern abstürzen lassen. Die Lage und die Aussichten für Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.
02.08.2020 08:42
Ein Boot mit deutscher Fahne fährt beim Hafen in Hamburg.
Ein Boot mit deutscher Fahne fährt beim Hafen in Hamburg.
Bild: cash

Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien meldeten für das zweite Quartal jeweils einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes im zweistelligen Prozentbereich. Nachfolgend ein Überblick über Lage und Aussichten der vier wichtigsten Euro-Staaten:

DEUTSCHLAND

- Lage: Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 10,1 Prozent zum Vorquartal. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen Berechnungen im Jahr 1970, da sowohl der Außenhandel als auch Konsum und Investitionen heftig einbrachen. Der Rückgang fiel mehr als doppelt so stark aus wie das bisherige Rekordminus von 4,7 Prozent während der Finanzkrise Anfang 2009. Ökonomen hatten nur ein Minus von 9,0 Prozent vorausgesagt.

- Aussichten: Für das laufende Sommerquartal erwarten Ökonomen eine Rückkehr zu Wachstum. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sagt ein Plus von knapp sieben Prozent voraus. Das Vorkrisenniveau dürfte dennoch erst Ende nächsten Jahres erreicht werden, da sich der krisenbedingte Ausfall an Wirtschaftsleistung in den Jahren 2020 und 2021 auf fast 400 Milliarden Euro summieren dürfte. Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Minus von 6,3 Prozent.

FRANKREICH

- Lage: Die französische Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie noch stärker abgestürzt als die deutsche. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 13,8 Prozent zum Vorquartal. Das ist das größte Minus der Nachkriegszeit.

- Aussichten: Das Statistikamt Insee hält im laufenden Sommerquartal ein Wachstum von 19 Prozent für möglich - es wäre das erste positive Ergebnis nach drei Minus-Quartalen in Folge. Für das Gesamtjahr rechnet die französische Notenbank mit einem Einbruch von zehn Prozent. "Hoffentlich erreichen wir Anfang 2022 wieder ein Niveau, das wir vor Covid hatten", sagt Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau.

ITALIEN

- Lage: Das Bruttoinlandsprodukt ist im Frühjahr in Rekordgeschwindigkeit geschrumpft. Es sank um 12,4 Prozent. Allerdings fiel es nicht ganz so stark wie von Ökonomen befürchtet: Sie waren von einem Minus von 15 Prozent ausgegangen. Die Regierung in Rom hatte im Kampf gegen das Coronavirus strenge Schutzmaßnahmen angeordnet, die große Teile der Wirtschaft im Frühjahr lahmlegten und bis heute nachwirken. Auch der Tourismus-Sektor leidet weiter.

- Aussichten: Die Regierung erwartet für 2020 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um acht Prozent. Um konjunkturell wieder auf die Beine zu kommen, winken Italien laut Regierungschef Giuseppe Conte 209 Milliarden Euro aus dem jüngst von der EU beschlossenen Corona-Hilfstopf - davon 81 Milliarden Euro Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Experten halten das allein für nicht ausreichend. "Die italienische Regierung muss die Wettbewerbsfähigkeit auf Vordermann bringen", sagt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Dazu bedarf es Strukturreformen."

SPANIEN

- Lage: Spanien ist durch die Corona-Krise in die tiefste Rezession seiner Geschichte gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt fiel im Frühjahr um 18,5 Prozent zum Vorquartal. Damit wurde auf einen Schlag das gesamte Wachstum der Zeit nach der Finanzkrise vernichtet. Insbesondere der für Spanien sehr wichtige Tourismus-Sektor leidet bis heute unter den Folgen der Pandemie.

- Aussichten: Die EU-Kommission sagt dem südeuropäischen Land für dieses Jahr einen Einbruch um 10,9 Prozent voraus. Aus dem jüngst in Brüssel geschnürten Corona-Hilfspaket winken Spanien laut Regierungschef Pedro Sanchez 140 Milliarden Euro - etwas mehr als die Hälfte davon sind Zuschüsse. Die Regierung rechnet auch deshalb für 2021 mit einem kräftigen Wachstum von 6,8 Prozent.

(Reuters)