Konjunkturexperte rechnet bei Trump nur mit Strohfeuer

Die Wachstumsversprechen des designierten US-Präsidenten Donald Trump werden die USA aus Expertensicht kaum dauerhaft stärken.
18.12.2016 14:16
Die Route 66: Wohin geht die Konjunktur in den USA?
Die Route 66: Wohin geht die Konjunktur in den USA?
Bild: Pixabay

"Kurzfristig ist es natürlich möglich, die Wirtschaft auf eine Wachstumsrate von vier Prozent hochzuprügeln", sagte der Abteilungsleiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber ich glaube nicht, dass das eine anhaltende Stimulierung wäre." Bezahlt würde ein Strohfeuer aus Infrastrukturprogrammen und Steuersenkungen mit in die Höhe schnellenden Staatsschulden.

Trump hatte angekündigt, die Wachstumsrate in den USA auf vier Prozent nahezu verdoppeln und Tausende neue Jobs schaffen zu wollen. Zudem will er den von Unternehmen gezahlten Körperschaftsteuersatz auf 15 Prozent mehr als halbieren. Fichtner sagte, es gebe Infrastrukturprogramme, die dauerhafte Wachstumseffekte generieren könnten.

"Aber ich fürchte, Trump will den schnellen Boom, er will ja in vier Jahren wiedergewählt werden." Eigentlich gebe es derzeit auch keinen Anlass für eine besonders wachstumsfördernde Politik, weil die US-Wirtschaft recht kräftig zulege. Mit den angekündigten schuldenfinanzierten Investitionen drohe deshalb eher die Gefahr einer Überhitzung.

Grundsätzlich sei dabei die Schuldenaufnahme für die US-Regierung unproblematischer als etwa für die EU-Staaten, sagte Fichtner: "Die Nachfrage nach amerikanischen Schuldtiteln ist sehr hoch, weil sie weltweit als Sicherheit gehalten werden." Kritisch könne es aber werden, wenn die Zinsen stiegen, weil die Geldpolitik die Zügel anziehe oder sich Investoren wegen der Überschuldung etwas zurückhielten. Zurzeit sitzen die USA auf einem Schuldenberg, der rund 107 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Fichtner sagte, die Grenze, bis zu der sie sich weiter verschulden könnten, sei da "nicht mehr sehr weit". In Deutschland liegt die Schuldenstandsquote etwa bei 70 Prozent des BIP.

Dass die US-Notenbank Fed nach Jahren einer extrem expansiv ausgerichteten Geldpolitik die Zinswende eingeleitet habe, könne er nachvollziehen, sagte Fichtner. Grundsätzlich sei ein Tausch des Wachstumsimpulses weg von der Geld- zur Fiskalpolitik auch nicht falsch. Er bezweifle aber, ob Trump seine politischen Ziele mit mehr Schulden erreichen könne: "Er kann die Uhr nicht zurückdrehen." So habe der Kostendruck, nach China abzuwandern, auch zu einer Kapitalisierung der Produktionsprozesse geführt: "Sonst hätten Ford und BMW in ihren US-Werken nicht in dem Maße Roboter eingesetzt." Trump könne einigen Interessengruppen entgegenkommen, aber gesamtwirtschaftlich werde er auch mit seinen angekündigten Importbeschränkungen keinen Erfolg haben.

(Reuters)