Kontingent aufgebraucht - Zürich, Genf und Basel-Stadt wollen mehr ausländische Fachkräfte

Fachkräftemangel: Die Kantone Basel-Stadt, Genf und Zürich fordern vom Bund eine Erhöhung der Drittstaaten-Kontingente.
29.08.2017 15:30
Verschiedene Kantone wollen mehr ausländische Fachkräfte in die Schweiz lassen.
Verschiedene Kantone wollen mehr ausländische Fachkräfte in die Schweiz lassen.

Sie haben die vom Bund Anfang Jahr zugewiesenen Kontingente für Erwerbstätige aus Drittstaaten nämlich bereits im ersten Quartal aufgebraucht. Christoph Brutschin (BS), Pierre Maudet (GE) und Carmen Walker Späh (ZH), die Volkswirtschaftsdirektoren der drei Kantone, fordern daher eine Erhöhung der Gesamtzahl der Drittstaatenkontingente auf "mindestens das Niveau von 2014", wie sie am Dienstag gemeinsam mitteilten. Sie folgen damit dem Schweizerischen Arbeitgeberverband, der die gleiche Forderung bereits Ende Juni erhob.

Ausserdem soll der Zugriff auf die Bundeskontingente für diejenigen Kantone, die regelmässig darauf angewiesen sind - und dazu gehören die drei Kantone - vereinfacht werden. Eine weitere Forderung: Bei einer entsprechenden Nachfrage soll zukünftig auch unter dem Jahr eine Kontingentserhöhung möglich sein.

7500 Kontingente für das Jahr 2017

Der Bundesrat hatte die Drittstaaten-Kontingente mit Aufenthaltsbewilligung (B) und Kurzaufenthaltsbewilligung (L) per Anfang 2015 von 8500 auf 6500 gesenkt. Zwar beschloss er im vergangenen Herbst, die Kontingente für das Jahr 2017 um 15 Prozent auf 7500 zu erhöhen - für die drei Kantone genügt dies aber noch nicht.

Da auch die Bundesreserven, aus denen die Kantone zusätzliche Kontingente beantragen können, zahlenmässig beschränkt sind, "ist es voraussehbar, dass die Bedürfnisse der Kantone damit nicht abgedeckt werden können", wie es weiter heisst.

Kantone befürchten Standortnachteil

Diese knappe Kontingentierung durch den Bund und der heutige Verteilmechanismus schaffen gemäss den drei Kantonen Unsicherheit für Wirtschaft und Forschung und werden zunehmend als Standortnachteil empfunden. Sie sehen ein steigendes Risiko, dass Projekte ins Ausland verschoben werden oder gar nicht in die Schweiz kommen.

Für die drei Kantone, die einen Drittel zur gesamtschweizerischen Wirtschaftsleistung beitragen, ist daher klar: Damit sie auch in Zukunft attraktive Wirtschaftszentren bleiben, benötigen die Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitutionen Zugang zu hervorragend ausgebildeten und hochspezialisierten Fachkräften.

Diese Fachkräfte liessen sich zwar zu einem grossen Teil auf dem heimischen oder europäischen Arbeitsmarkt rekrutieren, doch immer wieder müssten die Unternehmen auch auf Spezialisten aus sogenannten Drittstaaten zurückgreifen, die nicht Teil der EU sind.

Dabei denken die Volkswirtschaftsdirektoren vor allem an innovative Branchen mit hohen Beiträgen an Forschung und Entwicklung wie beispielsweise ICT, Finance, Pharma oder Cleantech.

Inländervorrang wird berücksichtigt

Zudem betonen die drei Kantone, dass die Zuwanderung von Personen aus Drittstaaten mit B- und L-Aufenthaltsbewilligung rein mengenmässig einen verhältnismässig kleinen Teil der Gesamtzuwanderung in die Schweiz ausmacht.

Firmen und Kantone müssten bereits heute im einzelnen Bewilligungsfall nachweisen, dass es für die offene Stelle keine geeigneten Arbeitskräfte auf dem inländischen Arbeitsmarkt gebe. "Der Inländervorrang ist bereits Bestandteil des Bewilligungsverfahrens."

(AWP)