Kritik an EZB-Aussagen zu Monte Paschi: Italiens Ministerpräsident 'überrumpelt'

ROM/FRANKFURT (awp international) - Die Mitteilung der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mehr Geld als gedacht brauche, hat Ministerpräsident Paolo Gentiloni überrascht. "Es hat mich ein bisschen überrumpelt, Neuigkeiten so "ex abrupto" zu bekommen", sagte der Regierungschef am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Jahresabschluss in Rom. Am Montag war bekanntgeworden, dass die EZB bei dem schwer angeschlagenen Institut eine Kapitallücke von 8,8 Milliarden Euro sieht - zuvor war stets von 5 Milliarden Euro die Rede gewesen.
29.12.2016 15:19

Weil die Bank ihren Kapitalpuffer mit Hilfe von privaten Geldgebern zuletzt nicht wie geplant erhöhen konnte, wird derzeit ausgelotet, wie der Staat im Einklang mit den europäischen Regeln bei Monte dei Paschi einspringen kann. Die Regierung in Rom hat dafür bereits ein Rettungspaket verabschiedet, das die Bildung eines Fonds mit Mitteln von 20 Milliarden Euro für den angeschlagenen Bankensektor vorsieht. Wie viel Geld darauf auf Monte dei Paschi entfallen könnte, ist bislang nicht bekannt.

Mit Blick auf die Neuberechnung der EZB und den Eingriff des Staates sagte Gentiloni: "Das sind Einschätzungen, die die Bankenaufsicht vorgenommen hat. Gleichwohl wird es ein sehr langer, mehrmonatiger Prozess sein, es wird Gespräche und Auseinandersetzungen geben."

Die Einschätzung der EZB, dass Monte dei Paschi für die Sanierung 8,8 Milliarden Euro brauche, sei nicht anfechtbar, sagte Finanzminister Pier Carlo Padoan der Zeitung "Il Sole 24 Ore" am Donnerstag. Es wäre aber nützlich zu erfahren, anhand welcher Kriterien die EZB ihre Neubewertung vorgenommen habe, kritisierte Padoan./lkl/DP/mis

(AWP)