Krypto-Hype - Der Bitcoin-Wahn lässt AIQ um Handelsstopp flehen

In London beantragt ein Börsen-Neuling einen Handelsunterbruch: Ein paar Gerüchte um ein Engagement mit Bitcoin, Blockchain & Co. reichten schon aus, um die Aktie von AIQ in eine Kursrakete zu verwandeln.
15.01.2018 14:05
Eine obskure Firma an guter Lage in London sorgt für einen Börsenwirbel. Im Bild Taxis in der britischen Hauptstadt, so genannte «black cabs».
Eine obskure Firma an guter Lage in London sorgt für einen Börsenwirbel. Im Bild Taxis in der britischen Hauptstadt, so genannte «black cabs».
Bild: Pixabay

Gerade einmal drei Tage war die Firma AIQ Limited an der London Stock Exchange gelistet, da liess der über das Unternehmen hereinbrechende Krypto-Wahnsinn das Management schon um eine Atempause bitten. Die auf Übernahmen in den Bereichen Data Mining, künstliche Intelligenz und Social Media spezialisierte Gesellschaft stellte am vergangenen Freitag den Antrag auf eine Handelsunterbrechung, um wieder ein geordnetes Marktgeschehen zu ermöglichen.

Der Aktienkurs war in den wenigen Tagen seit dem Börsengang Anfang vergangener Woche um rund 1500 Prozent gestiegen. Zuvor hatten Nutzer des Kurznachrichtendiensts Twitter spekuliert, das Unternehmen werde in das Geschäft mit Krypto-Währungen einsteigen. Zwar seien Investitionen in Unternehmen, die sich mit Bitcoin oder der Blockchain-Technologie befassten "absolut möglich", sagte AIQ-Chairman Graham Duncan dem Finanzinformationsdienst Bloomberg. Allerdings gebe es aktuell keine Pläne dafür.

Die Handelsunterbrechung sei beantragt worden, da es das Beste für alle Beteiligten sei, zunächst einmal durchzuatmen. Mit Blick auf die Entwicklung des Aktienkurses zeigte sich Duncan "erstaunt und überrascht", die Rally sei für das Unternehmen ein genauso grosses Rätsel wie für alle anderen.

Das Wort «Blockchain» zieht

In den vergangenen Wochen und Monaten haben zahlreiche Firmen auf spektakuläre Art und Weise von tatsächlichen oder vermeintlichen Beziehungen zu Krypto-Währungen profitiert. Zu den skurrilsten Beispielen dafür gehört die Long Island Iced Tea Corporation, ein unprofitabler Hersteller des gleichnamigen Kaltgetränks, der seinen Namen zu Long Blockchain Corporation änderte. Für die Aktien des in New York notierten Unternehmens ging es an diesem Tag um 289 Prozent nach oben. Das half, um ein drohendes Delisting von der Nasdaq wegen eines zu geringen Marktwerts zu vermeiden.

Der Hintergrund einer solchen Firma wird oft wenig beachtet, wenn die Anleger im Zuge des Bitcoin-Hypes zugreifen. AIQ wurde von asiatischen Geschäftleuten auf den britischen Cayman-Inseln in der Karibik gegründet und hat den Hauptsitz im schicken Stadteil Fitzrovia im Herzen von London. Anfang vergangener Woche hatte AIQ rund vier Millionen Pfund Sterling durch die Zeichnung von 50 Millionen Aktien zum Stückpreis von acht Pence eingenommen. Die kometenhafte Rally hat den Marktwert dann bis kurz vor der Aussetzung auf etwa 62,5 Millionen Pfund (circa 83 Millionen Franken) nach oben getrieben.

Bitcoin oder e-Commerce?

Gelistete Übernahme- und Buyout-Gesellschaften wie AIQ sind in London keine Seltenheit. Allerdings wurden die Regeln für diese so genannten Cash Shells 2015 nach einem Wirbel um eine Firma namens Gate Ventures verschärft.

Innerhalb von nur vier Monaten hatte Gate mit Sitz in China drei Millionen Pfund eingesammelt, damit die britischen Rechte an einem Musical namens Being Woody Allen erworben und die Börsennotierung umgehend beendet, nachdem der Nominated Adviser zurückgetreten war. Ein Nominated Advisor berät in Grossbritannien im "Alternative Investment Market", einem Sub-Markt der Londoner Börse, ein Unternehmen; gleichzeitig reguliert es dieses aber auch. Der Nominated Advisor ist typischerweise eine Investmentbank.

Wie uninformiert und leichtfertig Investoren bei AIQ auf den Bitcoin-Hype setzten, zeigen weitere Angaben zum Unternehmen. Genauso wahrscheinlich wie Investitionen in Bitcoin oder die Blockchain-Technologie seien etwa Engagements im Onlinehandel, wofür es aber ebenfalls noch keine bestimmten Ziele gebe, stellte Firmen-Chairman Duncan klar. Die Gründer von AIQ, Soon Beng Gee und Lee Chong Liang betreiben ebenfalls eine e-Commerce-Beratung, die ihren Sitz in Malaysia hat.

(Bloomberg/cash)