Kuba wartet nach Fidel Castros Tod auf Signale Trumps

Die Kubaner schauen nach dem Tod von Fidel Castro gebannt auf die USA. Viele beschäftigt die Frage, ob der Ex-Erzfeind unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump den Weg der Annäherung fortsetzen oder stoppen wird.
27.11.2016 17:21
Havanna, die Hauptstadt Kubas.
Havanna, die Hauptstadt Kubas.
Bild: pixabay.com

Daran hängt nicht zuletzt die wirtschaftliche Zukunft des kommunistischen Inselstaates. Trumps Reaktion auf Castros Tod ließ am Wochenende keine klaren Rückschlüsse zu. Zwar bezeichnete er das frühere Staatsoberhaupt als "brutalen Diktator, der sein Volk fast sechs Jahrzehnte lang unterdrückte". Zugleich kündigte Trump an, nach seinem Amtsantritt am 20. Januar alles zu tun, um Freiheit und Wohlstand auf der Karibikinsel zu fördern.

Sein Vorgänger Barack Obama hatte nach jahrzehntelanger Feindschaft eine behutsame Normalisierung der Beziehungen beider Länder angestoßen. Im März wurde Obama von Fidel Castros Bruder und Nachfolger Raul zu einem historischen Treffen in Havanna empfangen. Obama dringt auf engere Handelsbeziehungen und eine Lockerung der Finanzsanktionen gegen den Einparteienstaat. Er konnte den Kongress aber nicht überzeugen, das Wirtschaftsembargo aufzuheben. Den verstorbenen Castro würdigte Obama als "einzigartige Persönlichkeit" und bekräftigte sein Angebot, den Kubanern "eine Hand der Freundschaft" zu reichen.

Trump hatte in den vergangenen Monaten verschiedene Signale ausgesandt. Zunächst bezeichnete er Obamas Vorgehen als grundsätzlich richtig, forderte aber bessere Vereinbarungen mit dem Inselstaat. Später drohte er im Kampf um die Stimmen von Exil-Kubanern in Florida damit, Obamas Annäherungskurs rückgängig zu machen, wenn die kubanische Führung nicht Religionsfreiheit ermöglicht und politische Gefangene freilässt.

Chancen für Unternehmen

Sollte der Politikneuling und Milliardär tatsächlich eine derart aggressive Haltung einnehmen, könnten US-Firmen Geschäftschancen entgehen, die sich dann die Konkurrenz in Europa und Asien sichern könnte. US-Geheimdienstkreise werteten Trumps Äußerungen zu Castros Tod als rhetorisches Abrüsten und Zeichen des Pragmatismus. In der Kuba-Politik dürfte demnach wohl Trumps Wirtschaftsteam den Ton angeben.

In Kuba schlägt dem künftigen Präsidenten viel Argwohn entgegen. "Er könnte all das rückgängig machen oder blockieren, was Obama getan hat", sagte Yaneisi Lara, eine 36-jährige Blumenverkäuferin aus Havanna. Taxifahrer Pablo Fernandez Martinez befürchtet einen Rückgang der Touristenzahlen: "Das wird jeden in Kuba treffen und die Wirtschaft beeinträchtigen."

Castro starb am späten Freitagabend im Alter von 90 Jahren. Auf den Tag genau vor 60 Jahren war er mit Raul und Dutzenden von Unterstützern von Mexiko aus per Schiff in die Heimat aufgebrochen, um dort eine Revolution zu anzustoßen. Sein Bruder ordnete nun eine neuntägige Staatstrauer an. Die Beisetzung ist für kommenden Sonntag geplant. Der 85-jährige Raul, der die Amtsgeschäfte von seinem gesundheitlich angeschlagenen Bruder 2008 endgültig übernahm, will noch bis 2018 Präsident bleiben. Er hat Reformen mit marktwirtschaftlichen Elementen angestoßen. Seine Verabredungen mit Obama stießen bei Fidel Castro nur auf verhaltene Unterstützung.

Am Rande des Atomkriegs

Fidel Castro regierte Kuba fast fünf Jahrzehnte lang. 1959 stürzte er eine proamerikanische Regierung und installierte unter dem Einfluss der Sowjetunion eine kommunistische Führung. Anschließend wurde er eine zentrale Figur im Kalten Krieg. Eine vom US-Geheimdienst CIA unterstützte Invasion von Exil-Kubanern 1961 in der Schweinebucht wehrte er ebenso ab wie zahlreiche Attentatsversuche. 1962 trug Castros Bündnis mit der Sowjetunion zur Kuba-Krise bei, während der USA und Sowjetunion am Rande eines Atomkriegs standen.

Nach der Revolution machte sich Castro viele Freunde und Feinde. Er verbesserte die Lebensbedingungen der Ärmsten, zugleich aber flohen Hunderttausende aus Kuba, weil sie ihn als Diktator fürchteten. Für viele Landsleute war der zigarrenkauende, bärtige Revolutionsführer in der grünen Militäruniform "El Comandante" oder einfach "Fidel". Linke in der ganzen Welt verehrten ihn als Ikone des Widerstandes gegen die USA und als Vorbild im Kampf gegen den Kolonialismus.

(Reuters)