Kurzvideo-Plattform - Nach Trump-Drohung: Bytedance erwägt vollständigen Verkauf von TikTok USA

Der chinesische TikTok-Eigentümer ist nach der Verbotsankündigung von US-Präsident Donald Trump Insidern zufolge zu einem vollständigen Verkauf der US-Geschäfte der populären Kurzvideo-Plattform bereit.
02.08.2020 12:11
US-Präsident Donald Trump.Das US-Vorgehen gegen TikTok dürfte die Spannungen zwischen Washington und Peking weiter verstärken.
US-Präsident Donald Trump.Das US-Vorgehen gegen TikTok dürfte die Spannungen zwischen Washington und Peking weiter verstärken.
Bild: imago images / ZUMA Wire

Nach dem Vorschlag von Bytedance solle Microsoft die Verwaltung der auf Tiktok gesammelten US-Nutzerdaten komplett übernehmen, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen am Wochenende der Nachrichtenagentur Reuters. Das erlaube es auch anderen US-Unternehmen als Microsoft, das dortige Geschäft von TikTok zu übernehmen. In den USA ansässigen ByteDance-Investoren solle die Möglichkeit eingeräumt werden, Minderheitsbeteiligungen zu übernehmen. Etwa 70 Prozent der externen ByteDance-Investoren kommen aus den Vereinigten Staaten.

Die US-Regierung hat Sicherheits- und Datenschutzbedenken gegen die vor allem bei jungen Leuten bliebte App, die weltweit etwa eine Milliarde Nutzer zählen soll - darunter rund 100 Millionen in den USA. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, er wolle TikTok in den USA verbieten.

Nach den Worten von Trumps Handelsberater Peter Navarro werde der Präsident entweder noch am Sonntag oder an diesem Montag eine Entscheidung treffen. "Die Regierung hat sehr ernste nationale Sicherheitsbedenken gegenüber TikTok", erklärte das Präsidialamt. "Wir beraten weiterhin das zukünftige Vorgehen." Hintergrund sind Bedenken, dass TikTok Nutzerdaten an China weitergeben könnte.

Insidern zufolge stehen potenzielle Käufer bereits in den Startlöchern, darunter Microsoft. Verhandlungen seien im Gange. Die App könnte bei einem Verkauf mit etwa 50 Milliarden Dollar bewertet werden. Wie die Trennung jedoch vor sich gehen sollte, und was der Internetriese ByteDance mit dem Rest von TikTok vorhaben könnte, blieb zunächst unklar. Die Unternehmen und das zuständige US-Justizministerium lehnten eine Stellungnahme ab.

Eine Win-Win-Situation

Politiker von Trumps republikanischer Partei signalisierten aber Zustimmung zu einem Verkauf des US-Geschäfts. "Lassen sie ein amerikanisches Unternehmen wie Microsoft TikTok übernehmen. Win-Win-Situation. Hält den Wettbewerb am Leben und die Daten aus den Händen der chinesischen Kommunistischen Partei", schrieb der einflussreiche Senator Lindsey Graham auf Twitter.

Das US-Vorgehen gegen TikTok dürfte die Spannungen zwischen Washington und Peking weiter verstärken. Das vor allem bei Jugendlichen beliebte Netzwerk ist bereits seit längerem im Visier der US-Behörden wegen nationalen Sicherheitsbedenken. Dabei geht es um Sorgen, dass die persönlichen Daten der Millionen Nutzer in den Vereinigten Staaten, die über die App gesammelt werden, nicht sicher sein könnten. US-Abgeordnete befürchten eine Zusammenarbeit mit Chinas Geheimdiensten. Ähnliche Vorwürfe werden von den USA unter anderem gegen den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei erhoben.

Im Kongress wird derzeit über einen Gesetzentwurf beraten, der Bundesbeschäftigten die Nutzung von TikTok auf Dienstgeräten verbietet. Eine Gruppe von republikanischen Senatoren hatte sich zudem zuletzt besorgt gezeigt, dass sich China über die Video-App in den Präsidentschaftswahlkampf einmischt. Die Regierung in Peking könne politische Diskussionen manipulieren, um Uneinigkeit unter den Amerikanern zu schüren und ihr bevorzugtes Ergebnis zu erzielen, warnten sie.

Über TikTok war im Juni ein Zuschauerboykott bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps organisiert worden. Indien hatte TikTok und 58 weitere Apps aus China kürzlich verboten. TikTok weist die Bedenken zurück und hat erklärt, man werde Zensurgesuche oder Bitten um Nutzer-Daten der chinesischen Regierung nicht Folge leisten. ByteDance hatte 2017 die aus China stammende App Musical.ly für eine Milliarde Dollar gekauft und ein Jahr später unter dem Namen TikTok neugestartet.

(Reuters)

 
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