Landesweiter Anti-Terror-Einsatz in Belgien - Drei Männer in Haft

Brüssel (awp/sda/reu/afp/dpa) - Drei Monate nach den Selbstmordanschlägen in Brüssel hat die belgische Polizei zwölf Personen festgenommen, die in Brüssel Anschläge auf Fanmeilen der Fussball-EM geplant haben sollen. Drei Männer wurden am Samstag des "versuchten terroristischen Mordes" und der Beteiligung an den Handlungen einer terroristischen Vereinigung angeklagt und in Haft genommen.
19.06.2016 17:47

Die neun anderen Personen kamen wieder frei. Die Polizei verhörte insgesamt 40 Verdächtige. Belgiens Regierungschef Charles Michel sagte nach einer Sitzung seines Sicherheitskabinetts, die Lage werde stündlich überprüft. Der Kampf gegen Extremismus und Terrorismus werde mit aller Entschlossenheit fortgesetzt.

Bei den Terror-Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um drei Belgier im Alter von 27, 29 und 40 Jahren - alle mit arabischen Namen.

Mit Selbstmordattentätern verwandt

Zwei der drei Verdächtigen sind Medienberichten zufolge mit den Selbstmordattentätern von Brüssel verwandt. Bei einem von ihnen handle es sich um einen direkten Cousin von Ibrahim und Khalid El Bakraoui, berichteten der Sender VRT und die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Justizkreise. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Die Brüder El Bakraoui hatten sich am 22. März bei Anschlägen am Flughafen von Brüssel sowie in einer Metrostation in der Innenstadt in die Luft gesprengt und 32 Menschen mit in den Tod gerissen. Ihr nun inhaftierter Cousin sei in der Vergangenheit gemeinsam mit dem wegen Gewaltkriminalität vorbestraften Ibrahim El Bakraoui verurteilt worden, hiess es nun.

Bei dem Grosseinsatz in der Nacht auf Samstag durchsuchten Sicherheitskräfte insgesamt 152 Garagen und Dutzende Häuser in 16 Gemeinden. Darunter war unter anderem der als Islamisten-Hochburg bekannte Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Durchsuchungen gab es unter anderem auch in den Brüsseler Gemeinden Schaerbeek und Forest.

Weitere Razzien gab es unter anderem in Zaventem am Brüsseler Flughafen sowie in Fleurus unweit des zweitgrössten belgischen Flughafens Charleroi, ausserdem in den Regionen Flandern und Wallonie, darunter in den Städten Tubize und Lüttich.

Public-Viewing-Zonen im Visier

Nach unbestätigten Medienberichten sollen Anschläge in Brüssel auf Zuschauer des EM-Fussballspiels Belgien gegen Nordirland geplant gewesen sein, das am Samstagnachmittag im franzözischen Bordeaux stattfand.

Die belgische Zeitung "Le Soir" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, potenzielle Ziele seien Public-Viewing-Zonen, wo Fans sich EM-Spiele ansehen, oder andere belebte Orte wie Einkaufszentren und Bahnhöfe. Der Sender RTBF berichtete, das belgische Krisenzentrum habe am Freitag verstärkten Schutz für einige Regierungsmitglieder angeordnet, darunter Premier Michel.

Die belgische Polizei hatte vergangene Woche Sicherheitskreisen zufolge eine Warnung erhalten, dass sich Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf den Weg nach Europa gemacht und Anschläge in Belgien und Frankreich geplant hätten.

Bei den Selbstmordanschlägen vom März in Brüssel starben 32 Menschen. Am 13. November vergangenen Jahres kamen in Paris bei Attentaten von Islamisten 130 Menschen ums Leben. Zwischen den Tätern bestanden nach Behördenangaben Verbindungen, manche von ihnen lebten in Belgien.

(AWP)