Le Pen wirbt bei Putin für gute Beziehungen zu Russland

Bei einem überraschenden Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin hat die rechte französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen für engere Beziehungen zu Russland geworben. Die Umstände seien so schwierig, dass Frankreich und Russland etwa im Kampf gegen den Terrorismus ihre Kräfte vereinen müssten, sagte Le Pen der Agentur Tass zufolge am Freitag in Moskau. Sie schlug vor, Geheimdienstinformationen im Kampf gegen Terrorgruppen auszutauschen.
24.03.2017 15:03

In Gesprächen mit russischen Abgeordneten kritisierte die Chefin der rechtsextremen Partei Front National (FN) die EU-Sanktionen gegen Russland. "Meine Position zu den Beziehungen unserer zwei Länder ändert sich nicht, und ich hoffe, dass ich diese Haltung in zwei Monaten vorantreiben werde", sagte sie über ihre Präsidentschaftsambitionen. Die voraussichtlich zwei Wahlrunden sind für den 23. April und 7. Mai geplant.

Es war nach Darstellung des Kremls das erste Treffen von Putin und Le Pen. Mit dem Besuch in Moskau feilt die Rechtspopulistin wenige Wochen vor der Wahl an ihrem internationalen Profil. Im Februar wurde sie im Libanon von Präsident Michel Aoun empfangen, Anfang dieser Woche reiste sie in den Tschad und traf dort Präsident Idriss Déby Itno.

Die EU-Gegnerin Le Pen setzt sich schon lange für gute Verbindungen nach Moskau ein. Anfang des Jahres hatte sie gesagt, die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland sei aus ihrer Sicht nicht illegal. Dies hatte Kritik aus der Ukraine nach sich gezogen.

Spätestens seit den Vorwürfen einer russischen Einflussnahme auf die US-Wahl fürchten Kritiker, Moskau könne versuchen, der Präsidentenwahl in Frankreich und der Bundestagswahl seinen Stempel aufzudrücken. Putin wies dies ausdrücklich zurück. "Wir wollen auf keinen Fall Einfluss auf die Ereignisse nehmen, aber wir haben das Recht, uns mit den Vertretern aller politischen Kräfte des Landes auszutauschen", sagte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, Putin und Le Pen hätten nicht über Finanzhilfen für die FN gesprochen. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Le Pens Partei bemühe sich um einen Kredit in Russland.

FN-Vize Florian Philippot sagte dem Sender Franceinfo in Paris, die Partei werde für ihre Wahlkampffinanzierung keinen Kredit bei einer russischen Bank aufnehmen. "Das ist zu 100 Prozent sicher. Wir haben anderswo einige Optionen, aber das wird nicht in Russland sein."

In Gesprächen mit russischen Parlamentariern bekräftigte Le Pen ihre Kritik an der Europäischen Union. "Frankreich hat aufgehört, ein souveräner Staat zu sein", sagte sie. Der Aussenpolitiker Leonid Sluzki nannte ihren Moskau-Besuch kurz vor der Wahl eine "mutige Tat". Im Wahlkampf verspricht Le Pen ein Referendum über den Verbleib Frankreichs in der EU, die Rückkehr zu einer eigenen Währung und den Austritt aus dem integrierten militärischen Kommando der Nato./tjk/sku/fko/DP/jha

(AWP)