Letzte Arbeiten vor Freigabe der Rheintalbahn laufen planmässig

Vor der Wiederaufnahme des Verkehrs auf der wochenlang gesperrten Rheintalbahn in der Nacht auf Montag liefen am Sonntag die letzten Arbeiten nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) planmässig. Mit der Wiedereröffnung findet eine wochenlange Blockade ein Ende.
01.10.2017 12:30

Bereits kurz nach Mitternacht soll am Montag ein erster Personenzug den reparierten Abschnitt in Rastatt (D) passieren. Auch der Güterverkehr werde dann wieder rollen.

Seit dem 12. August war das Nadelöhr der europäischen Nord-Süd-Bahnachse gesperrt, da sich bei Rastatt der Boden wegen einer Bahntunnel-Baustelle abgesenkt hatte. Die Ausweichroute via Stuttgart war weit, hatte weniger Kapazitäten und war auch durch Baustellen belastet. Nebenan im Elsass erforderte ein anderes Bahnstromsystem entsprechende Lokomotiven.

So stauten sich in beide Richtungen Passagiere, für die eilends lokale Ersatzbusse organisiert werden mussten, sowie Güterzüge, auf deren Ladungen Kundschaft auf dem ganzen Kontinent wartete. Normalerweise fahren jeden Tag 120 Personenzüge und bis zu 200 Güterzüge auf der Pannenstrecke bei Rastatt vorbei. Die international aufgegleisten Ausweichrouten schafften während des Unterbruchs nach einer längeren Anlaufzeit 84 Güterzüge täglich.

ENTSCHÄDIGUNGSFRAGE OFFEN

Während Bahnpendler und Reisende umständlicher und im Stundenbereich länger unterwegs waren, wich der auf der Schiene ausgebremste Güterverkehr auf die Strasse und den Rhein aus. Damit verlängerten sich Lastwagenstaus, stiegen Frachtkosten, und vieles war viel länger unterwegs.

Entsprechend stehen Entschädigungsforderungen in Deutschland im Raum - betroffenen Abokarten-Inhabern bietet die Deutsche Bahn eine hälftige Entschädigung an. Zur Klärung der Verantwortlichkeit für die folgenschwere Schienenpanne drohen lange Rechtsstreite.

Ob die SBB ihrerseits Forderungen stellen will, ist gemäss einem Sprecher noch nicht entschieden: Diese Frage prüfe die Geschäftsleitung sorgfältig. Gegenüber der SBB seien bisher keine Kunden-Forderungen eingegangen.

LEHREN ZIEHEN

Für die Wiedereröffnung der Rheintalbahnstrecke war die Nachfrage hoch, wie die DB vermeldete; bereits 175 Güterzüge waren angemeldet. Die SBB kündigte an, dass der Personenverkehr nach letzten Ersatzzügen am Montag wohl ab Dienstag ganz normal laufen werde. Im Güterverkehr jedoch werde Rastatt noch länger nachwirken.

Die SBB schreibt von "massiven Auswirkungen" wegen der Rastatt-Panne. Bezifferbar sind diese laut dem Sprecher noch nicht. Unter anderem seien viele Zusatz-Arbeitsschichten angefallen für die Ausweichrouten. Zahlen lägen kaum vor der nächsten Bilanzmedienkonferenz vor.

Daher ist für die SBB wichtig, nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen, sondern international Lehren zu ziehen punkto Ausweichrouten, Koordination, Daten- und Personalaustausch sowie Sicherheit. Die Schienenpanne zeige überdies die Notwendigkeit des geplanten trimodalen Güterterminals im Basler Rheinhafen.

(AWP)