Londoner fordern nach Brexit-Votum Unabhängigkeit der Hauptstadt

(Ausführlche Fassung)
25.06.2016 12:40

London (awp/sda/dpa) - Mehr als 100'000 Britinnen und Briten fordern die Unabhängigkeit für ihre Hauptstadt London. Die Brexit-Gegner möchten, dass das Londoner Ergebnis entsprechend gewürdigt wird.

"London ist eine internationale Stadt, und wir wollen im Herzen Europas bleiben", heisst es auf dem Portal change.org. "Diese Petition fordert Stadtpräsident Sadiq Khan auf, die Unabhängigkeit Londons zu erklären, und sich für eine Mitgliedschaft in der EU zu bewerben - inklusive der Mitgliedschaft in der Schengen-Zone (Hmm, über den Euro reden wir dann noch...)."

Die Initiatoren haben auch schon ein Schlagwort für die sozialen Netzwerke: #londependence, eine Mischung aus London und Independence, also Unabhängigkeit. "Lasst uns, statt bei jeder Wahl passiv-aggressiv gegeneinander abzustimmen, die Scheidung offiziell machen und mit unseren Freunden auf dem Kontinent zusammenziehen", schreiben sie. "Stadtpräsident Sadiq, wären Sie nicht lieber Präsident Sadiq? Machen Sie es wahr!"

Die Londoner haben, wie die Schotten auch, mehrheitlich für den Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union gestimmt. In den meisten englischen Wahlkreisen waren die Brexit-Gegner aber in der Mehrheit. Insgesamt hatten sich in dem Referendum rund 52 Prozent der Briten für den Ausstieg aus der Union ausgesprochen.

Eine Million Briten fordern Wiederholung

An dieser relativ knappen Mehrheit stören sich nunmehr über eine Million Briten. Sie möchten, dass nochmals abgestimmt wird. Eine offizielle Petition an das Parlament in London knackte am Samstagvormittag die Millionenmarke. Bereits 100'000 Unterstützer reichen aus, damit das Parlament eine Debatte "in Betracht ziehen" muss, wie es auf der Website heisst.

Die Unterzeichner fordern, dass es ein neues Referendum geben solle, wenn die Wahlbeteiligung unter 75 Prozent liegt oder weniger als 60 Prozent der Wähler für oder gegen den Brexit stimmen. Online ist sie bereits seit Ende Mai.

Nachdem am Freitag deutlich wurde, wie gespalten das Land in der EU-Frage ist, schoss die Zahl der Unterstützer in die Höhe. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 72 Prozent. Für das Referendum hatten sich insgesamt rund 46,5 Millionen Wähler registriert.

(AWP)