Lufthansa macht sich nach starkem Sommer bereit für Air Berlin

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz zu Air Berlin, Alitalia und Piloten-Pensionen, Aktie jetzt an Dax-Spitze) - Mit einem erneuten Rekordgewinn im Rücken will die Lufthansa im kommenden Jahr die Integration grosser Teile der insolventen Air Berlin angehen. Vor allem höhere Ticketpreise und ein erholtes Frachtgeschäft bescherten dem Dax-Konzern in den ersten neun Monaten dieses Jahres Rekorde bei Umsatz und Gewinn, wie er am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Für das vierte Quartal rechnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit weiter steigenden Ticketpreisen - nachdem sie schon im Sommerquartal um 4,5 Prozent nach oben gingen. Sinken sollen hingegen die Durchschnittskosten abseits von Währungsschwankungen und Treibstoff.
25.10.2017 14:23

Die Lufthansa-Aktie verbuchte am Morgen Kursverluste, setzte dann jedoch ihren Höhenflug der vergangenen Monate fort. Bis zum frühen Nachmittag gewann sie mehr als drei Prozent an Wert und erreichte mit 27,195 Euro den höchsten Stand seit Januar 2001. Seit Jahresbeginn haben die Papiere damit rund 120 Prozent an Wert gewonnen.

Allein im dritten Quartal verdiente der Konzern im operativen Geschäft (bereinigtes Ebit) 1,5 Milliarden Euro. Seine Gewinnprognose für 2017 hob Spohr aber trotz des glänzenden Geschäftsverlaufs nicht an. Für den operativen Gewinn stellt der Vorstand weiterhin nur allgemein eine Steigerung in Aussicht.

"Wir erwarten ein sehr starkes Ergebnis für 2017." Allerdings liegt das bereinigte Ebit schon nach den ersten drei Quartalen mit 2,6 Milliarden Euro anderthalb Mal so hoch wie ein Jahr zuvor. Den Umsatz konnte der Konzern unter anderem dank der vollständigen Übernahme der belgischen Brussels Airlines um 12,1 Prozent aus 26,8 Milliarden Euro steigern.

Zudem winkt dem Kranich zum Jahresende ein dicker Sondergewinn, der den Überschuss im Gesamtjahr weit über die 1,8 Milliarden Euro von 2016 hinausheben dürfte. Hintergrund ist die Neuregelung der Betriebsrenten für die Piloten. Diese dürfte laut Finanzchef Ulrik Svensson zu einem Einmaleffekt von rund 600 Millionen Euro führen, sofern die Cockpit-Besatzungen dem ausgehandelten Tarifkompromiss zustimmen. 2016 hatte eine Einigung mit den Flugbegleitern einen ähnlichen Effekt gebracht. Dennoch verdiente Lufthansa in den ersten neun Monaten unter dem Strich mit 1,85 Milliarden Euro bereits genauso viel wie im Vorjahreszeitraum.

Die noch unter Kartellvorbehalt stehende Integration der Air Berlin in die Eurowings werde im kommenden Jahr Sonderkosten von rund 50 Millionen Euro verursachen, berichtete Svensson. Darin sind etwa Schulungen für das Personal und die Umlackierung der Flugzeuge enthalten. Positive Ergebnisbeiträge erwartet er 2019. Lufthansa will die Eurowings-Flotte um 81 Maschinen aus den Beständen der Air Berlin erweitern.

Für die Billigmarke Eurowings sind bereits 30 Air-Berlin-Jets unterwegs, die der Konzern samt Personal von der Rivalin gemietet hatte. Spätestens im Januar 2018, so hofft Spohr, kann sich die Lufthansa den Grossteil der Air-Berlin-Flotte einverleiben. Er rechnet zuvor mit wettbewerbsrechtlichen Auflagen durch die EU-Kommission, die das Geschäft überprüft. Man wäre im "vernünftigen Masse" dazu bereit, bestimmte Start- und Landerechte abzugeben. Er rechne damit, dass der Lufthansa-Marktanteil an Flügen von und nach Deutschland um rund 7 Punkte auf 41 Prozent steigen werde. Das sei ein Wert, den andere nationale Fluggesellschaften in ihren Heimatmärkten längst innehätten.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Die Lufthansa soll die Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sowie weitere 20 Jets übernehmen. Die meisten Flugzeuge - die allesamt Leasinggesellschaften gehören - will die Lufthansa von den Eigentümern kaufen und insgesamt 1,5 Milliarden Euro investieren. Der Kaufpreis von 210 Millionen Euro für die Air-Berlin-Teile ist in dieser Summe enthalten.

Die schnell wachsende Billigtochter Eurowings steuert derweil bereits auf schwarze Zahlen zu. Die Gesellschaft soll schon im laufenden Jahr einen operativen Gewinn erwirtschaften. Dieser war eigentlich erst für 2018 geplant, hatte sich aber schon im Sommer abgezeichnet. Im kommenden Jahr soll die Eurowings mit rund 210 Flugzeugen und 10 000 Mitarbeitern rund 40 Millionen Passagiere transportieren. Sie würde damit hinter Ryanair und Easyjet zur drittgrössten Billig-Airline in Europa.

Spohr träumt unterdessen weiter von einer möglichen Übernahme in Italien. "Wenn sich die Chance bietet, eine neue Alitalia zu kreieren - das Modell ist die Wandlung von der Swissair zur Swiss - dann wäre die Lufthansa mit ihrer Erfahrung daran interessiert." Die frühere italienische Staatsfluglinie hatte im Mai Insolvenz beantragt. In der Schweiz hatte die Lufthansa 2007 die neu aufgestellte Fluggesellschaft Swiss gekauft. Diese hatte zuvor die wesentlichen Geschäftsteile der insolventen Swissair übernommen und deren Altlasten hinter sich gelassen. Die Swiss mauserte sich indes zur profitabelsten Airline im Lufthansa-Konzern./stw/ceb/oca

(AWP)