Luftverkehr - Italienische Regierung will 15 Prozent an Alitalia behalten

Italien feilt einem Medienbericht zufolge an einem Rettungsplan für Alitalia, der dem Staat einen Anteil von rund 15 Prozent an der angeschlagenen Fluggesellschaft einräumt.
07.10.2018 18:33
Eine Embraer-Maschine von Alitalia auf dem Flugplatz London-City.
Eine Embraer-Maschine von Alitalia auf dem Flugplatz London-City.
Bild: Bloomberg

Zudem seien Beteiligungen von Staatsfirmen wie dem Bahnkonzern Ferrovie dello Stato sowie eines ausländischen Interessenten geplant, berichtete die Zeitung "Il Sole 24 Ore" am Sonntag.

Die Regierung hat Alitalia unter Sonderverwaltung gestellt, nachdem die Beschäftigten im vorigen Jahr einen Rettungsplan abgelehnt hatten. Zudem stellte der Staat ein Überbrückungsdarlehen über 900 Millionen Euro zur Verfügung und sucht einen Käufer. Die dafür gesetzte Frist läuft bis zum 31. Oktober.

Der Zeitung zufolge könnte das Finanzministerium einen Teil des zurückgezahlten Kredits für eine Beteiligung von 14 bis 15 Prozent wieder in die Airline investieren. Alitalia hat bis zum 15. Dezember Zeit, um die Überbrückungsgelder zurückzuzahlen. Aus Regierungskreisen verlautete allerdings am Samstag, es werde an einer Fristverlängerung von bis zu sechs Monaten gearbeitet.

Zugleich müsste aber auch ein ausländischer Rivale gefunden werden, der bereit sei, in Alitalia zu investieren, hiess es weiter. Denkbar sei eine Beteiligung von 20 bis 30 Prozent. Die Lufthansa, Easyjet und der Billigflieger Wizz Air hatten Interesse zumindest an Teilen von Alitalia bekundet.

Alitalia wollte sich zu dem Bericht nicht äussern. Ein Sprecher des Industrieministeriums sagte, es sei noch zu früh, um Details des Regierungsplans zu erörtern. Möglicherweise gebe es aber in der kommenden Woche mehr Klarheit.

Der Plan könnte der populistischen Regierung in Rom neuen Ärger mit der EU-Kommission einbringen. Die Brüssler Behörde prüft bereits, ob es sich bei dem Kredit um eine staatliche Beihilfe handelt. Eine Fristverlängerung könnte auch gegen die EU-Regeln verstossen, die Rettungsdarlehen nur als kurzfristige Sofortmassnahme zulassen. Die Fluggesellschaft wollte sich nicht dazu äussern.

Alitalia steckt seit mehreren Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. 2017 wurde die Airline einer Sonderverwaltung nach italienischem Insolvenzrecht unterstellt, nachdem die Beschäftigten einen Rettungsplan abgelehnt hatten. Um Alitalia in der Luft zu halten, stellte der italienische Staat das Überbrückungsdarlehen zur Verfügung. Zudem wird ein Käufer gesucht.

Der Verkauf sollte eigentlich bis zum 30. April abgeschlossen sein, aber das Ziel wurde aufgrund des Regierungswechsels zunächst auf Ende Oktober verschoben. Industrieminister und Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio hatte kürzlich erklärt, die Alitalia-Frage im November abschliessen zu wollen.

(Reuters)