Luis de Guindos - EZB-Vize sieht keinen Grund für weitere Lockerung

Die EZB sieht sich nach den Worten ihres Vizepräsidenten Luis de Guindos nicht unter Druck, die Zinsen weiter zu senken. Das Zwei-Prozent-Inflationsziel sorgt in der EZB derweil für Diskussionen.
16.06.2019 12:49
Der Spanier Luis De Guindos ist Vizepräsident der EZB.
Der Spanier Luis De Guindos ist Vizepräsident der EZB.
Bild: iNg

Erst wenn die längerfristigen Inflationserwartungen an den Finanzmärkten aus dem Ruder liefen und nicht mehr mit den Zielen der Europäischen Zentralbank im Einklang stünden, müsse man über mehr Impulse nachdenken, sagte de Guindos der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" in einem am Samstag veröffentlichten Interview.

"Das ist noch nicht geschehen, trotz der Tatsache, dass die marktbasierten Inflationserwartungen gesunken sind." Angesichts der Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone und der weit unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent liegenden Teuerung hatte die Zentralbank kürzlich die Zinswende weiter aufgeschoben und sich die Tür für eine Zinssenkung sowie andere Optionen offengehalten.

Sollte es zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage kommen, werde die EZB reagieren, sagte de Guindos. Er betonte allerdings, dass die Geldpolitik weitgehend machtlos gegen die Auswirkungen der globalen Handelsstreitigkeiten sei. "Man kann sicherlich die Folgen mit der Geldpolitik abmildern, aber man wird nicht in der Lage sein, diese Art von Problemen mit der Geldpolitik anzugehen und zu beheben."

Da der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld schon seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, befürchten einige Experten, dass die EZB nicht mehr viel zinspolitischen Spielraum hat, die Konjunktur zusätzlich anzukurbeln.

Flexibleres Inflationsziel

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny spricht sich derweil für ein flexibleres Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. "Ich persönlich glaube, dass es vernünftig wäre, etwas mehr Flexibilität zu haben, wie es etwa die israelische oder die tschechische Notenbank gemacht haben", sagte der österreichische Notenbankchef dem "Handelsblatt" in einem am Sonntag online veröffentlichten Interview. Er sei dafür, das Zwei-Prozent-Ziel zu erhalten, "aber mit einem Korridor von 0,5 oder einem Prozent auf oder ab".

Die US-Notenbank (Fed) überprüfe derzeit ihre geldpolitische Strategie. "Die Fed hat das eingeleitet und die EZB ist auch dabei so etwas vorzubereiten", sagte Nowotny. Angesichts des Führungswechsels bei der EZB in diesem Jahr sei es eine natürliche Sache, dass es zu strategischen Überlegungen kommen müsse. Die Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi läuft Ende Oktober aus.

Die EZB strebt eine Inflationsrate an, die mittelfristig nahe, aber knapp unter zwei Prozent liegen soll. Nach den gerade aktualisierten Prognosen der EZB-Ökonomen wird dieses Ziel in den kommenden Jahren erneut verfehlt: In diesem Jahr soll die Teuerungsrate bei durchschnittlich 1,3 Prozent liegen, 2020 bei 1,4 und 2021 bei 1,6 Prozent liegen.

Die Inflationsentwicklung spielt eine entscheidende Rolle bei der Zinspolitik der EZB. Sie will ihren Leitzins noch bis mindestens in nächste Jahr hinein bei null Prozent halten, um mit billigem Geld Investitionen und Konsum anzuschieben. Das soll die Nachfrage stärken und verhindern, dass sich die Inflationsrate weiter von ihrem Ziel entfernt.

(Reuters/cash)