Macron und Le Pen steigen voraussichtlich in die Stichwahl

Frankreich hat in zwei Wochen voraussichtlich die Wahl zwischen dem parteiunabhängigen Pro-Europäer Emmanuel Macron und der EU-feindlichen rechtsextremen Marine Le Pen. Macron gefolgt von Le Pen siegten in der ersten Wahlrunde. Bereits am Sonntagabend schlossen sich die politischen Reihen gegen Le Pen.
23.04.2017 21:55

Nach Hochrechnungen kam der 39-jährige Ex-Minister Macron auf rund 24 Prozent der Stimmen. Die 48-jährige Chefin des Front National (FN), Marine Le Pen, lag fast zwei Prozent hinter Macron. Diesem waren laut Umfragen in der zweiten Runde die besseren Wahlchancen zugestanden worden.

Der Mitte-Links-Politiker Macron sieht seinen Erfolg bei der ersten Runde der Präsidentenwahl als eine Wende in der französischen Politik. "Die Franzosen haben ihren Wunsch nach einer Erneuerung ausgesprochen", sagte Macron am Sonntag der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Le Pen nannte das Wahlergebnis "historisch". Sie rief vor ihren Anhängern "alle Patrioten" auf, sie in der zweiten Runde zu unterstützen. Es sei an der Zeit, das französische Volk von der "arroganten Elite" zu befreien.

Mit Marine Le Pen steht der rechtstextreme Front National zum zweiten Mal in einer Stichwahl ums Präsidentenamt. Ihr Onkel Jean-Marie Le Pen war 2002 gegen Jacques Chirac angetreten und mit einem Stimmenanteil von 17,8 Prozent klar unterlegen.

Zwei Premieren in der Fünften Republik

Das Ergebnis der ersten Wahlrunde hat historische Dimensionen. Erstmals in der fast 60-jährigen Geschichte der Fünften Republik wird kein Kandidat der etablierten Parteien von konservativer oder sozialistischer Seite im Rennen ums Präsidentenamt mit dabei sein können.

Kurz nach Vorliegen der Hochrechnungen kamen die ersten Wahlempfehlungen von rechts wie links. Der konservative Kandidat François Fillon, gemäss Hochrechnungen nahezu gleichauf mit dem Linksaussen Jean-Luc Mélenchon auf dem 3. Platz, räumte seine Niederlage ein und sagte Macron seine Unterstützung zu.

"Der Extremismus kann Frankreich nur Unglück und Spaltung bringen", sagte Fillon. Auch Fillons Parteifreund Alain Juppé rief am Sonntag dazu auf, bei der Stichwahl für den früheren Wirtschaftsminister Macron zu stimmen.

Die regierenden Sozialisten des scheidenden Staatschefs François Hollande erlitten ein Debakel. Ihr Kandidat Benoît Hamon kam nur auf sechs bis sieben Prozent. Das ist das mit Abstand schlechteste Ergebnis für einen Sozialisten bei einer Präsidentschaftswahl in der Fünften Republik. Hamon sprach von einer "moralischen Niederlage", für die er die Verantwortung übernehmen werde und rief ebenfalls zur Wahl Macrons auf.

Wahlempfehlung vom Premierminister

Auch Frankreichs Regierungschef Bernard Cazeneuve rief dazu auf, in der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahl für Macron zu stimmen. Es gehe darum, den rechtsextremen Front National zu schlagen, und "sein unheilvolles Programm eines Rückschritts Frankreichs und der Spaltung der Franzosen" zu verhindern, sagte der Sozialist am Sonntagabend.

Der scheidende Staatspräsident Hollande gratulierte Macron zum Erfolg bei der ersten Wahlrunde. Hollande habe Macron nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse angerufen, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend unter Berufung auf den Élyséepalast.

Höchste Sicherheitsmassnahmen

Es war die erste Präsidentschaftswahl in Frankreich, seit dschihadistische Terroristen im November 2015 im Konzerthaus Bataclan und an anderen Orten von Paris Massaker angerichtet hatten. Seitdem gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.

Die Sorge vor möglichen weiteren Anschlägen am Wahltag war gross. Erst am Freitag hatte ein mutmasslicher Terrorist an der Pariser Prachtmeile Champs-Élysées einen Polizisten erschossen.

Entsprechend umfassend waren die Sicherheitsvorkehrungen. Die mehr als 66'000 Wahllokale wurden von rund 50'000 Polizisten gesichert, zusätzlich waren 7000 Soldaten im Einsatz. Es kam zu keinen Zwischenfällen.

(AWP)