Macron will als Präsident die Rolle Frankreichs stärken

(Zusammenfassung) - Emmanuel Macron hat sein Amt als neuer französischer Präsident angetreten. Als zentrales Ziel kündigte der 39-Jährige am Sonntag in Paris an, die innere Zerrissenheit des Landes zu beenden und die internationale Rolle Frankreichs zu stärken. Der Parteilose wird auch als Sozial- oder Linksliberaler bezeichnet.
14.05.2017 19:25

"Die Spaltung und die Brüche in unserer Gesellschaft müssen überwunden werden", sagte Macron bei seiner Antrittsrede im Elysée-Palast. Er wolle den Franzosen "ihr Selbstvertrauen" und die "Lust auf die Zukunft" wieder geben sowie den Glauben des Landes an sich selbst wieder stärken. Der frühere Wirtschaftsminister plant zudem, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren, was in Frankreich sehr umstritten ist.

In der EU will er für Reformen eintreten. "Die Welt und Europa brauchen Frankreich mehr denn je, ein starkes Frankreich, das seine Stimme für Freiheit und Solidarität laut erhebt", sagte Macron. Als erste Auslandsreise im Amt will er am Montag nach Berlin reisen und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel treffen.

Formal übernahm Macron die Macht nach einem einstündigen Treffen mit dem scheidenden Präsidenten François Hollande, der ihn einst förderte und zum Wirtschaftsminister machte. Am Sonntag übergab er Macron die Codes für die Atomwaffen des Landes.

Hollande wurde danach im Elysée-Palast von Macron über den Roten Teppich begleitet und verabschiedete sich unter dem Applaus geladener Gäste. Der Sozialist tritt als unbeliebtester Präsident in den vergangenen Jahrzehnten ab, auch, weil die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt immer noch eine hohe Arbeitslosigkeit aufweist.

Bescheidenes Auftreten

Beendet wurde die Zeremonie im Elysée-Palast, an der auch Macrons Ehefrau Brigitte teilnahm, mit Salutschüssen aus 21 Kanonen. Macron war bis vor wenigen Jahren öffentlich kaum bekannt und früher Investmentbanker.

Nach Angaben seines Teams versuchte er am Sonntag betont bescheiden aufzutreten. Sein dunkler Anzug soll nur vergleichsweise moderate 450 Euro gekostet haben.

Abweichend von der Tradition wählte er keine Limousine für die Fahrt zum Triumphbogen, sondern einen alten Militärjeep. Am Grab des unbekannten Soldaten entzündete er eine Flamme zum Gedenken der Kriegsopfer.

Regierungschef am Montag bekannt

Nach Angaben aus seinem Umfeld will Macron am Montag den neuen Ministerpräsidenten ernennen. Bislang ist unklar, wen er ausgesucht hat. Mit Abstand am häufigsten genannt wird der Name Edouard Philippe. Der Politiker der konservativen Republikaner ist Bürgermeister von Le Havre. Am Dienstag solle dann die neue Regierung stehen.

Macron ist der jüngste französische Präsident in der Nachkriegszeit. Er hatte im Wahlkampf eine klar EU-freundliche Linie vertreten. Der parteiunabhängige Kandidat hatte sich in der Stichwahl deutlich gegen die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen vom Front National durchgesetzt. Allerdings ist der Rückhalt seiner neu ins Leben gerufenen Bewegung "La République en marche" im Parlament ungewiss.

Bei den Parlamentswahlen Mitte Juni hofft Macron auf eine Mehrheit, ansonsten dürfte es für ihn schwer werden, seine Ziele durchzusetzen. Er tritt dabei mit zahlreichen Polit-Neulingen an. Der Wahlkampf hatte gezeigt, wie gespalten Frankreich ist. Viele Bürger sind trotz der jüngsten Verbesserungen unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage und der Einwanderungspolitik.

(AWP)