Maritime Konferenz: Merkel-Appell für freien Welthandel

(Zusammenfassung) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei der Maritimen Konferenz für einen freien Welthandel ausgesprochen. "Uns geht es darum, Handelsbarrieren zu beseitigen und einen freien und fairen Handel zu ermöglichen", sagte sie am Dienstag in der Handelskammer Hamburg. "Protektionismus hiesse, Tore zu schliessen", ergänzte Merkel, Handelswege würden dadurch zu Einbahnstrassen. Kurzfristig könnten Nationalstaaten von Handelsbarrieren zwar profitieren. Langfristig behinderten sie aber den Handel und den Wettbewerb - dieser sei jedoch die Voraussetzung für Innovation.
04.04.2017 18:17

Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) wandte sich gegen Protektionismus. Sie kritisierte die US-Regierung, ohne diese direkt zu erwähnen. Deutschland trete für offene Märkte ein, bekräftigte sie. Dies gelte auch im Verhältnis zu anderen Staaten, "die im Moment darüber nachdenken, den Handel zu beschränken".

An dem Treffen unter Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beteiligten sich rund 750 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft. Hauptthema waren die Chancen der Digitalisierung für die maritime Wirtschaft.

"Wir stehen vor einer neuen digitalen Weltordnung", sagte der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Damit deutsche Unternehmen nicht von internationalen Wettbewerbern überholt würden, müsse die ganze Wertschöpfungskette der maritimen Wirtschaft digitalisiert werden. Dies gelte für die Logistik und ebenso für die Vernetzung und digitale Überwachung von Schiffsflotten sowie Offshore-Windparks.

Die Maritime Konferenz sehe sich in dem Zusammenhang als "politischer Unterstützer der Wirtschaft", sagte Dobrindt. Vertreter aus Politik, maritimer Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden setzten in einer gemeinsamen Erklärung Eckpunkte für den digitalen Ausbau auf. Die Absichtserklärung hält fest, welche Massnahmen zur Digitalisierung zügig angegangen werden sollen. Dazu gehören unter anderem der Ausbau der digitalen Infrastruktur (Breitband, Mobilfunk) in Häfen und an der Küste und ein "intelligenter Datentransfer" im Güterverkehr.

Digitalisierung und Automatisierung dürfen nach Darstellung der Wirtschaftsministerin nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Zypries mahnte Aus- und Fortbildung an. Am Vortag hatten in Hamburg nach einem Aufruf der Gewerkschaften Verdi und IG Metall Küste rund 900 Demonstranten gegen Stellenabbau protestiert. Die Digitalisierung der Branche sei aber auch eine Chance, "hochwertige Arbeitsplätze am Standort Deutschland zu schaffen", betonte Alfred Hartman, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR).

Nach dem Vorbild der Maritimen Konferenz soll künftig ein Dialog über die maritime Energiewende geführt werden. Ein zentraler Punkt sei eine klimaschonende Modernisierung des Schiffsverkehrs, teilten Brancheverbände und das Bundeswirtschaftsministerium mit. Dabei geht es unter anderem um effizientere Schiffsmotoren und den Einsatz schadstoffärmerer Treibstoffe wie zum Beispiel verflüssigtes Erdgas (LNG).

Nach Angaben der Bundesregierung transportiert Deutschland rund 60 Prozent seiner Warenexporte und einen Grossteil der Importe auf Schiffen. Den Häfen kommt damit eine Rolle als Grundversorger der deutschen Industrie zu. Schätzungen zufolge setzt die maritime Wirtschaft in Deutschland jährlich rund 50 Milliarden Euro um. Bis zu 400 000 Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt von ihr abhängig, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit./bcf/akp/DP/jha

(AWP)