CS-Studie - Märkte preisen derzeit kaum politische Risiken ein

Bereits in der kommenden Woche setzen die Niederlande mit ihren Wahlen den Startschuss für ein sehr politisches Jahr an den Finanzmärkten.
09.03.2017 13:25
Der Eiffelturm in Paris. Die Wahlen in Frankreich sind richtungsweisend für Europa.
Der Eiffelturm in Paris. Die Wahlen in Frankreich sind richtungsweisend für Europa.
Bild: pixabay.com

Obwohl die rechtspopulistische Freiheitspartei von Geert Wilders eine starke Unterstützung geniesst und auch in Frankreich, derzeit mit Marine Le Pen ebenfalls eine rechtspopulistische Kandidatin führt, sind die Finanzmärkte noch nicht im Risiko-Modus. Vielmehr scheinen die Investoren den politischen Risiken derzeit nur wenig Platz einzuräumen. Zu diesem Schluss kommen die Experten der Credit Suisse in einer aktuellen Analyse.

Wie ein von ihnen entwickeltes Barometer für politische Risiken zeigt, steht der Markt aktuell auf einer Skala von 0 bis 10 derzeit bei einem Wert von etwa 2. Dabei bedeutet 10, dass die Bewertungen an den Märkten die grössten Besorgnisse der Anleger über die künftigen Risiken widerspiegeln. Die Experten kommen anlässlich der Präsentation dieses Barometers am Donnerstag zu dem Schluss, dass die Märkte erst in den kommenden Wochen einen erhöhten Grad an Besorgnis einpreisen dürften.

Devisenmärkte reflektieren Risiken

Gleichzeitig weisen die Experten auf eine Diskrepanz hin. Denn während die Geld- und Kreditmärkte aktuell nur ein geringes Risiko suggerieren, sieht die Situation an den Devisenmärkten ganz anders aus. "Die Unterbewertung des Euro ist derzeit das stärkste Risikosignal in Europa", erklärt Pierre Bose, Leiter European Strategy, bei der Präsentation des Barometers vor Journalisten.

Mit Blick auf die verschiedenen bevorstehenden Ereignisse werten die CS-Experten die niederländischen Wahlen zwar als politisch wichtig, für die Kapitalmärkte sehen sie aber nur einen bedingten Einfluss.

Frankreich als grösstes Risiko

Das grösste Risiko für Europa sind die Wahlen in Frankreich. Das liegt nicht zuletzt an dem Wahlprogramm von Marine Le Pen. Neuverhandlungen der EU-Verträge und eine Rückkehr zur nationalen Währung sind die Kernpunkte ihres Wahlprogramms. Auch wenn ein Sieg Le Pens nicht zum Basis-Szenario der CS-Experten gehört, dürften im Vorfeld steigende Umfragewerte der Politikerin zu einer erhöhten Volatilität an den Märkten führen.

Bei den Wahlen in Deutschland im Herbst stellt sich derzeit die Frage, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel es wirklich zu einer vierten Amtszeit schafft. Grundsätzlich bliebe die Politik aber auch im Falle eines Sieges der Sozialdemokraten pro-europäisch, so dass die Risiken in diesem Fall überschaubar sind.

SNB vor Dilemma

Steigende politische Risiken in Europa hätten nicht nur Auswirkungen auf die Gemeinschaft, sondern auch auf das, was die Experten der CS die "alte Peripherie" nennen. Gemeint sind damit eine Gruppe wohlhabender, unabhängiger Länder wie die Schweiz, Schweden, Norwegen und auch Grossbritannien. Wie Claude Maurer, Volkswirt bei der CS, vor den Journalisten erklärt, steht die Schweiz mit ihrem Franken anhaltend im Fokus.

Die Schweizerische Nationalbank habe zuletzt wieder verstärkt interveniert, um sich dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegenzustellen. Das zeigten die jüngsten Sichtguthaben der SNB. Sollte der Aufwertungsdruck in den kommenden Wochen weiter zunehmen, gehe er davon aus, dass die SNB ihre Interventionspolitik nochmals verschärfen könnte.

"Im Grunde steht die SNB derzeit vor einem Dilemma zwischen den Signalen, die von Seiten der Wirtschaft kommen, wie etwa eine wieder positive Inflation, und den Signalen der Kapitalmärkte, die gerade im Devisenbereich eine erhöhte Risikoabneigung spiegeln."

(AWP)