«Märkte werden bei US-Zinsschritt volatiler»

Kommt es bei einem US-Zinsschritt zu ähnlicher Marktpanik wie 2013 beim Wort «Tapering»? Andrew Balls, globaler Anlagechef bei Pimco, gibt im cash-Video-Interview Einschätzungen. Er äussert sich auch zum Thema Hellas.
23.06.2015 14:03
Von Daniel Hügli
Andrew Balls ist globaler Anlagechef von Pimco.
Bild: cash

Die Investoren weltweit bereiten sich für die mit Spannung erwartete erste US-Zinserhöhung seit neun Jahren vor. Die meisten Experten rechnen damit, dass diese im September oder spätestens zum Jahresende passieren wird - trotz der nicht überzeugenden US-Wirtschaftsdaten im April und Mai.

Auch der einflussreiche Obligationeninvestor Pimco ist von diesem Fahrplan überzeugt. "Wir glauben, dass die Federal Reserve die Zinsen im September erhöhen wird, oder dann Anfang Dezember", sagt Andrew Balls, globaler Anlagechef von Pimco im Video-Interview mit cash

Balls geht davon aus, dass die Märkte den Zinsschritt nicht geräuschlos überstehen werden. "Es wird eine erhöhte Volatilität geben vom Zeitpunkt an, wo die Federal Reserve klar signalisiert, dass einen Zinserhöhung bevorsteht", ist Balls überzeugt. Der Leitzins liegt in den USA seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Wegen der erwarteten Zinserhöhung der US-Notenbank hat die kalifornische Pimco, eine Fondstochtergesellschaft von Allianz, bei ihrem Flaggschiff-Fonds "Total Return Fund" den Anteil von US-Staatsanleihen und ähnlichen Papieren Anteil im Mai auf 8,5 Prozent von 23,4 Prozent im April verringert. Viele Investoren gehen davon aus, dass Preise von Anleihen bei einer Zinserhöhung fallen werden. Wegen steigender Inflationsgefahr setzt Pimco daher auf eher inflationsgeschützte US-Staatsanleihen, sogenannte TIPS.

"Fed hat viel besseren Job gemacht"

Fed-Chefin Janet Yellen wollte sich zuletzt nicht auf einen Zeitpunkt für die erste Zinserhöhung festlegen. Der Fed-Chefin liegt viel daran, dass es an den Märkten beim Zinsschritt nicht zu Zerwürfnissen kommt. Daher ist ihre Message: Trotz der akuten Dollar-Stärke werden höhere Zinsen den US-Aufschwung nicht abwürgen. Und die US-Wirtschaft werden dank einer behutsamen und zugleich flexiblen Geldpolitik noch lange stimuliert werden.

Hintergrund: Im Mai 2013 kam es an den Finanzmärkten zu panikähnlichen Zuständen, als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke mit dem Wort "Tapering" andeutete, dass die stimulierenden Massnahmen wie Quantatative Easing reduziert würden, wenn sich die US-Wirtschaft wie erwartet erhole. Die Folge waren fallende Märkte und massive Kapitalflucht aus den Schwellenländern. Der Siwss Market Index verlor in zwei Wochen etwa 15 Prozent seines Wertes.

Balls glaubt nicht, dass die Märkte bei einer Zinsanhebung ähnlich reagieren werden. "Die Federal Reserve hat durch ihre Kommunikation bislang einen viel besseren Job gemacht als damals und sie hat die Basis damit für einen Zinsschritt gelegt", sagt Balls im cash-Interview. Die Fed werde die Zinsen dann stufenweise bis auf etwa 2 Prozent anheben. "Vielleicht gibt es dann eine Pause, wenn sich das Wachstum etwas abschwächt.

Balls selber gehört seit den lauten Abgängen von CEO Mohamed El-Erian und Fondsmanager Bill Gross im letzten Jahr zu den neuen mächtigen Leuten an der Pimco-Anlagespitze. Pimco hatte auch im Mai - und damit den 25. Monat in Folge - Abflüsse beim "Total Return Fund" hinnehmen müssen. Der einst weltgrösste Anleihefonds verwaltet damit "nur" noch 107,3 Milliarden Dollar. Vor zwei Jahren waren es noch fast 300 Milliarden.

Bei Griechenland kommt es zur Einigung

Balls rechnet in nächster Zeit mit einem schwächeren Euro gegenüber dem Dollar. "Das wird sich verstärken, je näher wir der Zinserhöhungszyklus in den USA näherkommen."  Balls rechnet auch mit einem Verbleib von Griechenland in der Eurozone. Falls es zu einem "Grexit" käme, werde es zu einer Instabilität an den Märkten kommen, zu einem Ausverkauf von risikobehafteten Anlagen und wohl auch zu einem aggressiven Einschreiten der Europäischen Zentralbank.

Mit einem "Grexit" besteht auch folgendes Risiko: "Die Eurozone würde demonstrieren, dass nicht ein System einer wahrer Währungsunion besteht, sondern ein System einer veränderbaren Wechselkursanbindung", so Balls.

Im cash-Video-Interview äussert sich Andrew Balls auch zur Wirkung von Negativzinsen und zur Asset Allocation über die nächsten fünf Jahre.