May und Trudeau geben Trump Kontra nach Einreisestopp

(Mit Angaben zur Kritik an Theresa May ergänzt) - Nach dem von US-Präsident Donald Trump verhängten Einreisestopp haben sich die Regierungen Grossbritanniens und Kanadas unmissverständlich distanziert. Allerdings sah sich die britische Regierungschefin Theresa May scharfer Kritik auch aus den eigenen Reihen ausgesetzt, viel zu spät reagiert zu haben.
29.01.2017 17:01

Das Büro der britischen Premierministerin Theresa May erklärte in der Nacht zum Sonntag, die Einwanderungspolitik der USA sei zwar ebenso wie die anderer Länder allein deren Sache. "Aber wir sind mit diesem Ansatz nicht einverstanden, und es ist keiner, den wir verfolgen werden."

Die Anordnung Trumps werde nun auf ihre Bedeutung und juristischen Folgen geprüft. "Wenn es irgendwelche Konsequenzen für britische Staatsangehörige haben sollte, dann werden wir natürlich bei der US-Regierung Einspruch dagegen erheben", hiess es in der Stellungnahme.

Vor dieser Erklärung hatte May am Samstag trotz mehrfacher Nachfrage von Journalisten bei einer Pressekonferenz mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim in Ankara noch ausweichend geantwortet.

Mehrere britische Politiker, unter anderem aus ihrer eigenen Partei kritisierten May dafür scharf. Die oppositionelle Labour-Partei forderte die Absage eines terminlich noch nicht festgelegten Grossbritannien-Besuchs von Trump.

Noch am Freitag hatte May als erste Regierungschefin seit dem Amtsantritt Donald Trumps dem Weissen Haus einen Besuch abgestattet. Das Treffen mit Trump war von der britischen Presse zunächst als Erfolg gewertet worden, kurz darauf unterzeichnete Trump das umstrittene Einreiseverbot.

Kritikern kam die Reaktion Mays in der Nacht auf Sonntag zu spät. Die konservative britische Abgeordnete Heidi Allen sagte der BBC am Sonntag: "Sie hätte meiner Meinung nach mutiger sein sollen, an Ort und Stelle etwas zu sagen."

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon twitterte: "Die Premierministerin hätte das gleich sagen sollen, als sie danach gefragt wurde, nicht erst Stunden später unter Druck."

Willkommen in Kanada

Kanadas Premierminister Justin Trudeau seinerseits hiess als Reaktion Flüchtlinge in seinem Land demonstrativ willkommen. "An all jene, die vor Verfolgung, Terror und Krieg fliehen - Kanada wird euch willkommen heissen, ungeachtet eures Glaubens", schrieb Trudeau am Samstag auf Twitter. Seine Botschaft endet mit den Worten: "Vielfalt ist unsere Stärke #WelcomeToCanada (WillkommenInKanada)".

Dazu stellte er ein Foto von sich und einem syrischen Flüchtlingsmädchen, das er im Dezember 2015 persönlich am Flughafen von Toronto willkommen geheissen hatte.

(AWP)