Medikamenten-Preisbremse: Österreichische Pharmaindustrie reagiert bestürzt

Mit Bestürzung und vehementer Ablehnung hat die Pharmabranche am Donnerstag auf die vom österreichischen Nationalrat beschlossene Medikamenten-Preisbremse reagiert. Die Pharmig warnte vor einer Gefährdung der Arzneimittelversorgung, die chemische Industrie ortete überzogene Preiseinschnitte, und das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) sah einen Tiefpunkt des Parlamentarismus.
30.03.2017 21:51

Seitens der Pharmig erblickte Generalsekretär Jan Oliver Huber in einer Mitteilung "planwirtschaftliche Eingriffe, die die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Arzneimitteln in Gefahr bringen". Gerade innovative Produkte würden künftig nicht mehr so schnell in Österreich zur Verfügung stehen. "Draufzahlen werden dank Hauptverband (der Sozialversicherungsträger, Anm.) die österreichischen Patientinnen und Patienten", meinte er.

"Es ist unverständlich, dass man bei so einem heiklen Thema wie der Arzneimittelversorgung bereit ist, ohne eine realistische Abschätzung der Auswirkungen vorzugehen", kritisierte auch Sylvia Hofinger vom Fachverband der Chemischen Industrie. Auch massive verfassungsrechtliche Bedenken lägen vor.

"Die in den langen und zähen Verhandlungen getroffene Übereinkunft bedeutet für die Pharmaindustrie zusätzliche massive Belastungen", konstatierte FOPI-Präsident Manuel Reiberg. Ausserdem werde dadurch einmal mehr von den eigentlichen Baustellen im Gesundheitssystem abgelenkt: "Die Arzneimittel sind definitiv nicht die Kostentreiber."

Nach zähen Verhandlungen hatten sich SPÖ und ÖVP am Donnerstag auf eine Kostenbremse bei der Erstattung von Medikamentenkosten durch die Krankenkassen geeinigt. Abgestellt wird auf EU-Durchschnittspreise, ein Strafabschlag bei besonders teuren Präparaten kommt nicht./ham/jul/APA/stb

(AWP)