Medikamentenpreise - US-Parlamentarier nehmen Novartis und Roche ins Visier

In den USA haben Abgeordnete eine Untersuchung von Preisanstiegen bei Medikamenten gegen Multiple Sklerose (MS) eingeleitet.
18.08.2017 11:45
US-Parlamentarier wollen von Novartis und Roche Auskunft zu den Preisen von MS-Medikamenten.
US-Parlamentarier wollen von Novartis und Roche Auskunft zu den Preisen von MS-Medikamenten.
Bild: Bloomberg

Davon betroffen sind die Basler Pharmaunternehmen Novartis und Roche, die deutschen Konkurrenten Bayer und Merck, die französische Sanofi, Teva aus Israel sowie der US-Biotechkonzern Biogen.

Die Demokraten Elijah Cummings und Peter Welch forderten am Donnerstagabend die sieben Pharmakonzerne zu Stellungnahmen über die Preiserhöhungen auf. Nachdem sich die Preise für MS-Medikamente seit 2004 nahezu verfünffacht haben, wollen die Abgeordneten herausfinden, ob die Unternehmen die Preise im Gleichschritt angehoben haben.

Nach Angaben der Nationalen Multiple-Sklerose-Gesellschaft sind die durchschnittlichen jährlichen Kosten einer MS-Therapie auf 78'000 Dollar im vergangenen Jahr von 16'000 im Jahr 2004 geklettert. Bayer und Merck bestätigten, einen Brief von den Abgeordneten erhalten zu haben. Eine Bayer-Sprecherin sagte, das Unternehmen wolle den Kongress-Abgeordneten direkt antworten.

Verschiedene Faktoren

Eine Merck-Sprecherin erklärte, der Konzern sei sich darüber im klaren, dass es Bedenken hinsichtlich der Erschwinglichkeit und des Zugangs zu innovativen Behandlungen gebe. Es gebe aber viele Faktoren, die zu den Kosten im Gesundheitswesen beitrügen.

Roche erklärte wiederum, die Branche müsse den Trend zu einem starken Anstieg der Preise für MS-Medikamente umkehren. Die Kosten für das Roche-Mittel Ocrevus liegen rund 20% unter den gegenwärtigen durchschnittlichen Behandlungspreisen. Ocrevus war erst im April in den USA zugelassen worden und erzielte einen Umsatz von 192 Millionen Franken.

Grösster Markt

Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie - sie erzielt dort 40% ihrer Umsätze. Zudem verdienen die Unternehmen dort überdurchschnittlich gut, weil ihnen bei der Preisgestaltung kaum Grenzen gesetzt sind.

US-Präsident Donald Trump hatte der Pharmabranche vorgeworfen, bei der Preisgestaltung "über Leichen" zu gehen und einen härteren Kurs bei Preisverhandlungen angekündigt.

Bisherige Kongressuntersuchungen und Anhörungen über die Gestaltung der Arzneimittelpreise hatten in den USA bereits Auswirkungen. So senkte etwa der Generikakonzern Mylan, der wegen drastischer Preiserhöhungen für seine lebensrettende Allergiespritze Epipen in die Schlagzeilen geraten war, die Kosten für das Mittel nach politischem Druck deutlich.

(AWP/SDA/REU)