Mehr Flüchtlinge aus Asien: USA suchen Hilfe in Mexiko

Verglichen mit Europa ist die Anzahl Flüchtlinge niedrig. Dennoch sind die US-Behörden alarmiert, denn die Zahlen steigen. Und die Sorge wächst, dass über Mittelamerika potenzielle Attentäter in die USA kommen könnten.
20.08.2016 07:27
Ginge es nach US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, so dürften Muslime nicht mehr in die USA einreisen.
Ginge es nach US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, so dürften Muslime nicht mehr in die USA einreisen.
Bild: Bloomberg

5350 Migranten aus Afrika und Asien wurden zwischen Oktober und Mai an der mexikanisch-amerikanischen Grenze im vergangenen Halbjahr aufgegriffen. Zum Vergleich: Nur im Juli stellten in Deutschland allein Syrer mehr als 22.000 Asylanträge.

Das Thema Einwanderung ist auch wegen der islamistisch motivierten Anschläge von San Bernardino und Orlando in den USA ein heikles Thema. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump spielt zudem mit den Ängsten der Menschen und behauptete auf einer Wahlkampfveranstaltung am Montag, in Deutschland sei als Folge einer Masseneinwanderung die Kriminalität drastisch angestiegen. Schon vorher hatte er ein US-Einreiseverbot für Muslime gefordert und will im Falle eines Wahlsieges an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen.

Aber aus US-Sicht beginnt das Problem schon früher, nämlich an der Südgrenze Mexikos. Dort sind US-Beamte stationiert und haben seit Oktober des vergangenen Jahres mehr als 640 Migranten überprüft, die aus Ländern ausserhalb des Kontinents stammen. Das geht aus Unterlagen des Heimatschutzministeriums hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Demnach fliegen die Einwanderer oft nach Brasilien, erhalten dort gefälschte Pässe und treten die Reise über Panama und weiter durch Mittelamerika nach Mexiko an.

Den Vernehmungsprotokollen zufolge reisen die Migranten per Bus, mit Booten und zu Fuss. Mehrere gaben an, mehr als 10.000 Dollar an Menschenschleuser bezahlt zu haben und tagelang in Urwäldern unterwegs gewesen zu sein. Sechs der Männer - darunter Pakistaner, Syrer oder Afghanen - gaben zu, mit gefälschten Pässen unterwegs zu sein. Sie wiesen sich als Staatsbürger von Israel, Marokko, Belgien oder Grossbritannien aus. Viele der Einwanderer werden auf ihrem Weg mehrmals festgenommen und wieder freigelassen, bevor ihre Reise hinter der guatemaltekisch-mexikanischen Grenze in dem Internierungslager in Tapachula endet.

Die grosse Mehrheit der Neuankömmlinge in Mexiko tauche letztendlich an der US-Grenze auf, sagt ein Mitarbeiter der Grenzschutzbehörde CPB, die dem Heimatschutzministerium in Washington unterstellt ist. Die US-Behörden unterstützen deswegen die Nachbarn im Süden. In Tapachula etwa unterrichten CPB-Beamte ihre Kollegen darin, wie man Vernehmungen führt. Ausserdem greifen sie auf US-Datenbanken zurück, in denen Angaben über Straftäter gesammelt sind.

Keine Rücknahmeabkommen - keine Gefängnisse

Eine ähnliche Zusammenarbeit gibt es mit Panama. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums spielt das Land bei der Festnahme illegal eingereister Migranten eine wichtige Rolle. Allerdings gibt es in den Gefängnissen nur wenig Platz. Der Staat hat mit vielen Ländern zudem keine diplomatischen Beziehungen, so dass Einwanderer nicht abgeschoben werden können. Deswegen werden die meisten Festgenommenen nach 30 Tagen freigelassen.

Den Angaben zufolge beraten US-Beamte Länder in ganz Mittel- und Südamerika im Umgang mit Migranten. Zudem drängten Diplomaten in Brasilien darauf, stärker gegen die Passfälscher vorzugehen.

Was US-Beamte in den lateinamerikanischen Staaten jedoch nicht dürfen: Migranten festnehmen oder zurückweisen. Dafür sammeln sie Erkenntnisse darüber, wie sich die Wanderungsbewegungen nach Norden entwickeln. Nach Erkenntnissen der auf Lateinamerika spezialisierten US-Menschenrechtsorganisation Wola handelt es sich bei den meisten Migranten auf der Route um Wirtschaftsflüchtlinge. Das Heimatschutzministerium konzentriere sich jedoch auf Sicherheitsrisiken, sagt Wola-Experte Adam Isaacson. "Das Gebiet Tapachula liegt an einer durchlässigen Grenze." Terrorgruppen mit Ziel USA würden aus Sicht der Washingtoner Behörde diese Region als Einfallstor wählen.

(Reuters)