Mehr Stress und weniger Arbeitszeitflexibilität bei Arbeitnehmenden

(Ausführliche Fassung) - Arbeitnehmende in der Schweiz können ihre Arbeitszeit nicht mehr so frei gestalten wie noch vor zwei Jahren. Das schadet der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
23.11.2017 14:46

Dies geht aus einer repräsentative Studie hervor, welche die Berner Fachhochschule für den Verband der Schweizer Arbeitnehmenden, Travail.Suisse, durchgeführt hat. Zum dritten Mal wurden damit die Arbeitsbedingungen in der Schweiz in den Bereichen Motivation, Sicherheit und Gesundheit untersucht.

"Insgesamt wurden die Arbeitsbedingungen nicht so schlecht bewertet", sagte Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse an der Präsentation der Ergebnisse in Bern. "Es gibt aber ein sehr differenziertes Bild, je genauer man hinschaut."

Konkret wird dies beispielsweise beim Thema Weiterbildung. Wer bereits über eine gute Ausbildung verfügt, ist mit der Förderung von Weiterbildungen in seinem Unternehmen zufrieden. Personen mit Primarschulabschluss hingegen sind der Ansicht, dass ihre Weiterbildung von der Firma gar nicht oder ungenügend gefördert werde.

"Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie wegen mangelnder Weiterbildungen ihre Arbeitsmarktmobilität verlieren", sagte Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, auch mit Blick auf die Digitalisierung. Der Dachverband fordert daher einen Fonds mit bis zu 800 Millionen Franken, mit dem Umschulungen und Weiterbildungen finanziert werden können.

Die Verantwortung für Weiterbildungen sei aber dreiteilig, sagte Fischer: "Sowohl der Mitarbeitende als auch das Unternehmen und der Staat müssen ihre Beiträge leisten", sagt er.

GERINGSTE ZUFRIEDENHEIT IM TESSIN

Über die Regionen gesehen sind die Arbeitnehmenden im Tessin am wenigsten mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. Dies hängt gemäss Tobias Fritschi von der Berner Fachhochschule (Zentrum für soziale Arbeit) mit dem Einfluss aus dem Ausland zusammen.

Ähnlich sehe es in der Genferseeregion aus. Am zufriedensten sind die Arbeitnehmenden in der Zentral- und Ostschweiz mit den Arbeitsbedingungen.

Die Studie erkannte zudem einen - wenig überraschenden - Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Zufriedenheit aus. Wer mehr verdient ist generell zufriedener mit den Arbeitsbedingungen als jene, denen Ende Monat weniger übrig bleibt. Konkreter betrachtet sehen sich Mehrverdiener jedoch einer stärkeren zeitlichen Belastung ausgesetzt als jene mit tieferem Einkommen.

Die Studie zeigt weiter, dass die Anzahl der "Gestressten" seit 2015 zugenommen hat. "41 Prozent der Befragten fühlen sich häufig oder sehr häufig durch ihre Arbeit gestresst, das sind eindeutig zu viele", lässt sich Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, in der Mitteilung zitieren.

ARBEIT ALS SINNSTIFTENDES ELEMENT

Angst vor der Digitalisierung besteht übrigens kaum. Nur 11 Prozent schätzen, dass sie ihre Stelle aufgrund der Digitalisierung in den nächsten zehn Jahren verlieren werden. Kurzfristig fühlen sich die Arbeitnehmenden in ihrem Job relativ sicher.

Wenngleich Angestellte generell mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden sind, sind die Werte gegenüber den beiden Vorjahren bei fast allen Punkten leicht zurückgegangen.

Nicht so bei der Einschätzung zum Sinn der Arbeit: Die Arbeitnehmenden schätzen ihren Arbeit als etwas Sinnvolles ein und glauben, damit einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Auch mit den Einkommen sind die Befragten "nicht schlecht zufrieden", wie Fischer sagte.

Für das "Barometer Gute Gesundheit" wurden 1400 Personen in der Schweiz befragt. Die Befragung war in die Kategorien Motivation, Sicherheit und Gesundheit aufgeteilt.

(AWP)